Zwei Ideen krochen mir heute ins Hirn:
1. Eine solide Begründung dafür, dass ich nicht alle meine Ideen in die Realität umsetze, was mich in mancher Augen (und in meinen eigenen, was viel schmerzhafter ist) gelegentlich inkonsequent erscheinen lässt. Der Ideenoutput pro Tag ist ganz einfach so hoch, dass es schon aus mathematischen Gründen gar nicht möglich ist, sie alle in die Tat umzusetzen. Manche schaffen es aber schon, darauf bestehe ich.
2. Ritzen Männer sich weniger häufig, weil sie sich rasieren?

Zehn Hinweise darauf, dass du dich in DER Notaufnahmestation der deutschen Kirchenlandschaft befindest:
1. Als Alarmsignal ertönt eine Klangschale.
2. Statt nach Desinfektionsmittel riecht es nach Räucherstäbchen.
3. Alle sind McLaren-Fans, haben aber keine Ahnung von der Formel 1.
4. Man versucht gar nicht erst, die Patienten zu reanimieren. Stattdessen erschafft man neue.
5. Das gesamte Personal bloggt und liest während der Arbeit amerikanische Literatur.
6. Es gibt eine Stationsband, die ununterbrochen Anbetungsmusik spielt.
7. Die ganze Station ist mit bunten Tüchern dekoriert.
8. Im Wartezimmer gibt’s statt Stühlen Sitzkissen.
9. Demnächst kauft man das Willow Creek Community Hospital auf.
10. Man ist vom Krankenhaus ins örtliche Kino umgezogen (wahlweise tut’s auch ein Cafe).

Viele Unternehmungen, die ich anpacke, haben das Ziel, Probleme zu lösen. Natürlich wenn möglich auf finale Weise, wer will sich schon ständig mit demselben Scheiß rumschlagen.
Bestelle ich einen neuen Laptop, dann geht es darum, die Laptopfrage für alle Zeiten zu lösen. Führe ich ein Konfliktgespräch, dann ist es mein Ziel, diesen Konflikt endgültig beizulegen. Pronto.
Aber das taucht ja alles immer wieder auf. Und kaum etwas geht mir mehr auf die Ketten als Routine. Allein die Tatsache, dass ich regelmäßig meine Wohnung säubern, Hemden bügeln und Geschirrspülmaschinen ausräumen muss, bringt mich manchmal zur Weißglut.
Ignorieren lässt sich das alles aber nur eine zeitlang, dann wird’s ungemütlich.
Routine bringt Sicherheit. Aber nervt.
Der richtige Mix aus Bewahren des Alten und Erobern des Neuen ist mir nach wie vor noch nicht ganz klar.
Dazu kommt, dass das ja alles nicht meine Entscheidung ist. Welche neue Herausforderung mir wann vor die Füße fällt, entscheidet eine andere Instanz.
Mehr Herausforderungen brauche ich eigentlich nicht. Mehr Routine aber auch nicht.
Und nun? Bin ich am Ende glücklich? Irgendwie beunruhigend…

In meiner Tätigkeitsbeschreibung steht nichts, das mich verpflichtet, Optimismus zu verbreiten.

Liebe Endabnehmer,
es gibt ein neues Spielzeug, und es hat mich garnix gekostet.
Scrollt doch mal eben ans untere Ende dieses Blogs (nein, nicht sofort, erst zuende lesen).
Da findet ihr eine Karte, auf der ihr euch eintragen könnt – Standort, Name, Foto. Beim Standort fühlt euch der Wahrheit verpflichtet, Name und Foto können gerne auch phantastischer oder sonstwie verschleiernder Art sein. Gerne dürft ihr auch einen Bibelvers oder was Nettes (Zitat meines NT-Dozenten) dazuschreiben.
Wenn jeder mitmacht, haben wir am Ende ein hübsches sozial relevantes Vernetzungekunstwerk. Dafür gibt’s zwar wahrscheinlich keine Fördergelder, aber unseren Spaß werden wir immerhin haben.
Viel Spaß beim Eintragen, ihr Anonymitätsfetischisten!

Wenn das so ist, frage ich mich schon, wie lange das Leben (die Sau) ungehindert weitersieben kann, bis nichts mehr überig ist, das sich noch sieben ließe.
Kann ein Leben sich gegen Null leben?
Bleiben am Ende nur noch Rückstände zurück? Schlackeleben?
Oder ist es so, wie Mussolini behauptete, dass es immer die Besten zuerst erwischt und man sich schämen muss, noch übrig zu sein?
Ach, der Benito. Am Ende des Krieges wurde er gemeinsam mit seiner Geliebten Clara Petacci erschossen und kopfüber an einer Mailänder Tankstelle aufgehängt. Man war zumindest so aufmerksam, Clarettas Rock züchtig mit einer Sicherheitsnadel zu fixieren, so dass er ihr nicht über den Kopf rutschte.
Sind halt unverbesserliche Romantiker, die Italiener.
Und man hat ja irgendwie auch eine Fürsorgepflicht für sein Leitungspersonal und deren Lebensabschnittsbegleitende.

Als passionierter Planetsspieler hat man Kontakte zu Menschen in aller Herren Länder. Über das bloße Spielen hinaus, das Schmieden von Allianzen und Aushecken von Angriffsplänen kommt man da auch mal ins Plaudern und erzählt sich, wo der Schuh drückt und wie stressig nicht alles ist.
Nun war ich in der letzten Zeit mal wieder viel unterwegs – Kassel, Rotenburg, Hannover, Darmstadt, Stuttgart, manchmal zwei Orte an einem Tag.
Heute die verwunderte Frage eines Mitspielers: „Bist du Lokführer oder sowas?“

Genauer gesagt legt meine Biokurve momentan eine Volatilität an den Tag, die den DAX wie ein stilles Gewässer wirken lässt. Eben noch war ich von Weltrettungsphantasien, Strukturtransformationsschwärmereien und submergenten Gefühlsregungen aller Art so sehr durchdrungen, dass die körpereigenen Synapsen und Botenstoffe Sonderschichten einlegen mussten. Im nächsten Augenblick sind Energielevel und Schaffensfreude diejenigen eines Lachses nach dem Laichen.

Die aktuelle Erfahrung eines aus einer stockkonventionellen Mehrgenerationengemeinde angeekelt fliehenden Menschen macht mich nachdenklich.
Es ist ein Dilemma. Einerseits kann ich diese ‘überkonfessionellen’, hippen, von adrett gekleideten Pseudointellektuellen frequentierten Bedürfnisbefriedigungsgebilde („Wir wollen keine Gemeinde sein“) nicht ertragen. Die bloße körperliche Anwesenheit in einem dieser homogen durchgestylten religiösen Events ist eine Zumutung. Selbst wenn ich auf einen vorbereiteten Zettel Fragen an den auf der Bühne frei assoziativ religiöse Belanglosigkeiten absondernden Guru („Ihr könnt das dann in meinem Buch nachlesen“) stellen darf, was ich natürlich mit größtmöglicher Boshaftigkeit tue, bleibt die erhoffte Befriedigung metaphysischer Bedürfnisse aus.
Andererseits – wer erträgt auf Dauer die kontinuierliche Lebenszielverfehlung einer in sich selbst verkrümmten konservativen Gemeinde, die erst einmal kurz vor der demographischen Auslöschung stehen muss, um ansatzweise über ihr Selbstverständnis nachzudenken? Wer ist dickfellig genug, um müffelnde Anzüge, bunte Seidenschals, vergilbte Liederbücher, lebensfremde theologische Diskussionen aus der Steinzeit und die unangemessene Selbstverliebtheit einer Gemeinde, die aus ihrem bloßen Alter herrührt, regelmäßig über sich ergehen lassen zu können? Manchmal schaffe ich das ja. Aber wem hilft’s?

Es ist ein Jammer. Es ist ein Kreuz. Ich weiss gerade nicht weiter.

Gimli der Zwerg (Herr der Ringe)

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