Gibt es eigentlich auch nur einen einzigen Menschen, der 100% gururesistent ist?
Ich glaube nicht.
Frühkindliche Prägung. Wir sind es gewohnt, zu Menschen aufzusehen. Sobald zwei Menschen in einem Raum sind, ist einer von ihnen der Starke, der andere der Schwache.
Gleichberechtigung ist ein edles Ziel, aber eben doch ein unerreichbares. Oder man bescheißt sich selbst.
An dieser Tatsache kann man kaputt gehen. Oder sie als das betrachten, was sie tatsächlich ist: Eine Angelegenheit von mittlerer Bedeutsamkeit.
Wenn ich es lerne, sowohl meine Stärke als auch meine Schwäche zu ertragen sowie die Tatsache, dass meine Rolle und mein Selbstbewusstsein volatiler sind als der DAX, wird es mir hin und wieder gelingen, glücklich zu sein.
Sonst eben nicht.

Gandhis Motto und ein inspirierender Beitrag für jedes ethische System. Die alte Masche „Ich will Jesus nicht traurig machen“ zieht ja irgendwie nicht. Das ist die Sache mit intrinsischer und extrinsicher Motivation – ein schlechtes Gewissen hält nicht lange vor.
Ethik als Charakterpflege also. Als langfristige Investition. Denn was nützt es mir, wenn ich die ganze Welt gewinne, aber Schaden an meinem Charakter nehme. Eine Absage an kurzfristige Voreile und ‘Lösungen’.
Im Judentum gibt es die Vorstellung von der ‘Untathülle’: Alles, was ich mir an unangemessenem Verhalten leiste, wird gesammelt und reichert sich an. Die Psychoanalyse sieht es ähnlich, wenn sie feststellt, dass das Unbewusste nie vergisst, dass hier all das lebenslang gespoeichert wird, was wir tun und erleiden.
Sämtliche Weltreligionen sind sich darin (wenn auch sonst in nichts) einig: Untaten haben Folgen. Das ist eben die Wahrheit, von der wir uns so häufig emanzipieren wollen – wir bescheißen uns, damit wir andere bescheißen können.
Und so schiziphrenisieren wir uns. In allen anderen Lebensbereichen planen wir langfristig – versichern uns, schließen Rentenverträge ab, machen uns krumm. Nur in Charakterfragen wird kurzfristig geplant. Und kurzsichtig.

Drei fette Dinger habe ich ihnen reingemacht.
Hinten habe ich kompakt gestanden und vorne gezaubert.
Ich war einfach brilliant.
Und ich bin Papst.

Klingt komisch? Zugegeben. Wenn ich jetzt aber „ich“ durch „wir“ ersetze, ist es dann besser?
In meinen Augen Ohren nicht. Denn das „wir“ beinhaltet gezwungenermaßen auch meine Person. Und da kann man sagen, was man will: Auf diesem grottenschlechten holländischen Skandalrasen war ich gestern abend beim besten Willen nicht dabei.