Mich bei Wüstenstrom oder Frau Vonholdt als Hetero ausgeben, der mit seiner sexuellen Orientierung unzufrieden ist und auf schwul umtherapiert werden möchte. Heterosexualität birgt schließlich viele gesundheitliche und psychische Risiken.

Dann sehen wir ja, wie ergebnisoffen man da ist…

Wurde man in einer sozialdiakonischen Kommunität großgezogen, so hinterlässt dies Spuren. Da hält sich beispielsweise hartnäckig die wildromantische Utopie, ‘irgendwann einmal’ mit vielen Hunden, Katzen, Kindern und originell-künstlerisch-intellektuell-religiös angehauchten Gleichgesinnten einen verkehrsgünstig abgelegenen Gutshof mit DSL-Anschluss zu kapern, um ihn in ein hippes Fortbildungsmeditationskunsteventzentrum zu verwandeln, an dem niemand vorbeikommt, der etwas auf sich hält. Nebenbei retten und erlösen wir die Welt, wie es uns gefällt.
So’n Quatsch.
Seht euch an, was aus all diesen verträumten Kommunitäten wird: Machtmissbrauch, Frauenunterdrückung, Kinderverkloppen… Wie kommt man nur immer wieder auf die Idee, diese Leute für ‘ehrenwert’ zu halten? Auch andere Menschen gehen morgens um 7 Uhr zur Arbeit oder tragen Hosenträger über ihrem karierten Hemd, dazu muss man nicht erst sektieren.
Wer sich abschottet, schafft damit potenziell krankmachende Strukturen. Ich muss diese Utopie dringend mal aus meinem Kopf herausbekommen.
Aber dieser Verzicht bedeutet auch Opfer. Er macht das Leben kompliziert, oft verwirrend, unsicher. Wo werde ich in 1-2 Jahren sein? Wie finde ich neue Freunde, wenn mal wieder ein Neuanfang dran ist? Auf wen kann ich mich verlassen?
Die kommunitäre Gleichgesinntenflatrate hat eben auch etwas für sich. Aber kostet.
Dann lieber selbst suchen. Und suchen. Und auch mal verunsichert werden. Und auch mal daneben liegen. Besser auf Endlösungen verzichten.

Vertragsgemäße Wochenarbeitszeit: 38,5 Stunden.
Nettozeit geplanter Termine (Treffen, Besprechungen und Schulungen): 25 Stunden.
Vermutliche Fahrtzeiten hierfür (ohne Arbeitsweg): 19 Stunden.
Zu erwartende Vorbereitungszeiten und Nacharbeit für Termine KW 9: 12 Stunden.
Zu erwartende Vorbereitungszeiten für Termine darauffolgender KW: 4 Stunden.
Ergibt: 59 – 38,5 = 20,5 Stunden
Nicht berücksichtigt: Staus, unkalkulierbare Verlängerungen, Bürokram, Telefonate, Emails, Büroklo putzen, Post lesen und beantworten.
Weiterhin ungeschlagener Rekord: 90 Stunden.

Und wie sieht’s bei euch aus?

Freitag war ich beim Arzt. Denn ständiges Nasenbluten, Ohrenpfeifen und Kopfschmerzen (trotz Brille) bringen’s einfach nicht. Auch nicht dieser seit ein paar Wochen wirklich rekordverdächtige Blutdruck.
Erwähnte ich schon, dass Schlaganfall die Lieblingsmethode des Herrn ist, Mitglieder meiner Familie heim zu holen?
Also ab zum Doc. Der erstaunlich gründlich war. Und sogar psychologisch wurde. Sowie ernsthaft eindringlich. Work-life-balance beachten (jaja, wollte ich ja immer mal einführen, wenn es nur einmal etwas ruhiger werden würde). Onkel Doktor gibt mir zwar was Stärkeres, schimpft aber nachhaltig.
Normal arbeiten? Wie geht das? Eine leidenschaftliche 38,5-Stunden-Woche? Passt das zusammen? Dann bleiben Dinge liegen. Denn wo soll ich schließlich runterschrauben? Jede denkbare Schraube täte mir weh. Kerngeschäft? Welches wäre das?
Freitag beschloss ich, besser mit mir umzugehen. Denn wer will schon gerne jung verrecken. Also nahm ich mir ganz, ganz fest vor, von nun an einiges anders zu machen.
Und was kam? Ein voller und deprimierender Samstag, ein voller und angenehmer Sonntag, ein freier aber nicht tatenloser Montag, ein völlig desaströser Dienstag.
Und schon tropft die Nase wieder.

Kann mir mal bitte jemand erklären, was an der Konjunkturkrise so schrecklich ist?
Die Zinsen sind niedrig, Heizöl kostet nix, und Diesel habe ich heute auch schon wieder im zweistelligen Bereich angeboten gesehen.
Also weiter so, Deutschland.
Ach ja, noch ein guter Vorsatz für’s Folgejahr: Die Anzahl der Gegenstände in meinem Besitz (bzw. der Gegenstände, die mich besitzen) weiter reduzieren. Obwohl das 2009 schwierig werden kann.

Daes ja nun in vielen Gemeinden schon Gottesdienste für jeden Geschmack gibt, wird es Zeit, im Bereich Seelsorge und Gemeindeethik ebenso zu verfahren. Wie wir alle wissen, basieren ethische Vorstellungen auf dem jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund und haben wenig mit Religion zu tun.
Voila.

Stufe 3 „Libertine“
Solange du nichts mit Tieren, kleinen Kindern oder Blutsverwandten anfängst, hast du unseren Segen.

Stufe 2 „Désenchantée“
Du entwirfst dein eigenes ethisches System (mindestens fünf A-4-Seiten), das bei uns archiviert wird. Alle drei Monate führen wir ein Auswertungsgespräch, sprechen Übertretungen an und überarbeiten das System wo nötig.

Stufe 1 „Mon Coeur Résiste Encore“
Augen geradeaus! Wir rufen dich jeden Tag an und fragen sämtliche biblischen Lasterkataloge ab. Du hast Zugriff auf eine persönliche 24-Stunden-Hotline, wo du Fragen stellen kannst wie „Darf ich mir heute mal wieder einen runterholen?“ und „Soll ich mir Rührei oder Spiegelei zum Frühstück machen?“