Heute habe ich meinen Termin gemacht: Demnächst treffe ich mich mit dem Team einer Altenpflegeeinrichtung. Wir werden uns kennenlernen und überlegen, ob ich sie supervisorisch begleiten werde. Ehrenamtlich. Mal sehen, ich bin gespannt.
Natürlich ist das nicht so cool wie Sterbende im Hospiz begleiten, Penner coachen oder Bordsteinschwalben Kräutertee servieren.
Ja, sollte Ehrenamt überhaupt cool sein, Spaß machen, gar stolz?
Ich finde ja. Ich sollte durchaus von meinem Engagement profitieren. Jeder hat da seine eigene ‘Sprache der Liebe.’ Wenn jemand alten Omas den Hintern abwischt, um bei seinen Kumpels damit angeben zu können, finde ich das völlig ok. Die Omas kratzt das nicht. Hauptsache, der Pops ist sauber.
Was spricht dagegen, den Kick im Hospiz oder auf der Krebsstation zu suchen statt beim Indoor-Klettern? Den Sterbenden und Krebsenden ist es egal. Solange ich offen und freundlich mit ihnen umgehe, mich auf sie einlasse, ist doch alles super.

Und dann noch eine andere Sache, die mir im Kopf herumspukt: Wie wäre es, wenn wir Christen(den) aufhören würden, alles selbst machen zu wollen? Also Gemeinde nun noch auf das Nötigste beschränken und unsere Mitglieder(Innen) motivieren und ausrüsten, um sich ‘draußen’ zu engagieren? Ganzheitliche Kleingruppen als Rückgrat und Homezone des sozialdiakonischen Engagements? Überhaupt Gemeinde als Supervisionsgruppe für ein abenteuerliches, wagemutiges, liebevolles Leben verstehen?
Anstatt immer gleich jede neue Idee, die es gibt, fromm verbrämt selbst anzubieten. Das überfordert doch nur. Und führt zu Frust.

Das ist gar keine rhetorische Frage, sondern eine, die ich mir immer einmal wieder stelle.
Kann ich meine Überzeugungen wirklich sagen und leben?
Neinnein, inzwischen denke ich anders herum: Kann ich es mir leisten, meine Überzeugungen zu tarnen? Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt (oder auch nur ein Stück vermeintlicher Sicherheit), nimmt aber Schaden an seiner Seele?
Von jetzt an will ich zumindest versuchen, mehr für meine Überzeugungen einzustehen und das auf eine weniger polemische Art zu tun. Ohne Gewähr ;-)
Fangen wir mit ein paar Kleinigkeiten an.

Sehr geehrte Interessentin, sehr geehrter Interessent,
Ihre untenstehende Anfrage hat uns erreicht, vielen Dank.
Sie erhalten in den nächsten Tagen die gewünschen Unterlagen/Informationen zu einer Mitgliedschaft bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN per Post.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Bundesgeschäftsstelle

„Wenn ich im Leben etwas erreichen möchte, dann ist es persönliche Macht, d.h. ich möchte möglichst viele menschliche Verhaltensweisen in meine Persönlichkeit internalisieren. Auf gut deutsch möchte ich meine Kontakte zu anderen Menschen bestmöglich gestalten.“
Dieter H. Platen, Gruppendynamische Praxis: Akzept-Training

P.S.: Da muss mir jetzt niemand sagen, dass das noch ein weiter Weg ist…

Ist doch nett, wenn ein Kind mir altem Sack so eine Frage stellt.
Wir hatten Up-To-You-Wochenende. Offiziell hieß es natürlich nicht so. Aber in der Praxis war es nichts anderes, was da 50 Teens und Jugendliche in einem kleinen VW-hörigen Örtchen erlebten: Ihr Wochenende planten sie selbst und führten es auch durch. Mit Abendgottesdienst zum Aufwärmen, Workshops, Verpflegung und Unterkunft sowie Willkommensgottesdienst für die neue Kollegin. Natürlich haben wir Hauptamtlichen hier und da auch etwas gemacht. Wäre ja auch komisch. Das Hauptaugenmerk lag jedoch darauf, die Teens bei der Planung und Durchführung der Sache zu begleiten und zu beraten. Die Zahl der Ignoranten, die das Konzept nicht begreifen und z.B. darüber rummeckern, dass ich nicht selbst an der Anmeldung sitze, sondern das ein charmantes Mädelsteam machen lasse und mich dezent unterstützend im Hintergrund halte, sinkt kontinuierlich.
Natürlich ist das Konzept riskant, denn es kann elendig viel in die Hose gehen. Das auszuhalten, ist nicht immer leicht. Aber auch an dieses Damoklesschwert kann man sich gewöhhnen. Und wenn ich dann die leuchtenden, übermüdeten Augen sehe, hat es sich alles gelohnt.

Käsethekenbesatzungen, Verkäufer und Bedienungen Achtung: Norbert hat mir eine delikate Hausaufgabe gegeben: Aufmucken und Position beziehen.

Diagnose: Patient macht sich ständig Gedanken über die Erwartungen anderer Menschen – um sie dann entweder zu erfüllen oder abzuwehren. Glücklich macht ihn beides nicht.

Rezept: Den eigenen Willen behaupten und gegebenenfalls durchsetzen – auf charmante, aber deutliche Weise.

Zwischenfazit: In manchen Lebensbereichen und Situationen klappt das ganz vorzüglich. In anderen so gut wie überhaupt nicht.

Zum Glück habe ich bis zum nächsten Termin noch fünf Wochen Zeit. Das wird nämlich ein ganz schöner Brocken.

Schon mal darüber nachgedacht, wie hohl es ist, beim Einkauf immer nach dem teuren Markenzeugs zu greifen? Colgate für 1,40 statt „Rot-Weiss“ für 60 Cent.
Das probiere ich jetzt mal anders aus.
Die These: Wenn ich im „normalen“ Supermarkt konsequent nach No-Name-Produkten greife, komme ich billiger weg als bei Aldi.

Ich habe jetzt endgültig die Nase voll davon, ständig auf Verdacht um meine Katzen zu trauern.
Sumi riecht auch schon wieder nach alter Decke. Ein Indiz dafür, dass sie bei irgendeiner gutmütigen Oma zur Untermiete wohnt. Da sind Probleme vorprogrammiert.
Jetzt rüste ich auf: Es gibt eine spezielle Kamera, die man Katzen um den Hals hängen kann. In regelmäßigen Abständen macht sie Fotos, so dass man eine Idee bekommt, wo sie sich tagsüber ungefähr rumtreiben.
Außerdem gibts einen GPS-Sender, durch den man auf Google Earth sehen kann, wie in etwa das Revier aussieht.
Habe alles schon bestellt und werde dann jede der Katzen einen Tag lang damit ausrüsten.
Danach weiss ich zumindest, wo ich suchen muss, wenn jemand abgängig ist.

FÜHLEN!

Eigentlich wollte ich ja mal wieder einen Tag frei nehmen. Aber dann lag ein ziemlich fetter Umschlag für meine Supervisorenausbildung im Briefkasten. Mehrere hundert Seiten Literatur wollen in den nächsten Wochen bis zum ersten Kursabschnitt durchgeackert werden.
Die nächsten drei Jahre werden schon spannend.
360 Unterrichtsstunden Theorie
60 Unterrichtsstunden gruppenanalytische Lernprozessbegleitung
80 Stunden regionale Lerngruppe
35 Sitzungen Lehrsupervision
45 Sitzungen Lernsupervision
5 Hausarbeiten

Wehe wenn das Zertifikat kein hübsches Siegel hat.

Tsts, das hattet ihr mir also wirklich nicht zugetraut?
Eine Woche Valle Cannobia, das war schon ein Erlebnis.
20 km Serpentinen von der Beschaffenheit der Schweinsberger Burgauffahrt sind nun einmal eine recht gute Isolierung gegen jede Art von Zivilisation. Wenn Baumaterialien per Hubschrauber angeliefert werden, weil die Straßen für LKWs zu eng sind, man zum nächsten Mülleimer ein paar Kilometer fahren muss, das nahegelegene Bergdorf nicht befahrbar, sondern ausschließlich über ein pittoresk verwinkeltes System von schmalen Treppen begehbar ist und bei jedem Windstoß das Stromsystem der Hütte zu versagen droht, ist Shutdown wahrlich keine Kunst.
Das Handy war die Woche über so was von ausgeschaltet, dass ich es heute abend erst einmal ziemlich intensiv suche musste.
Insgesamt wiederholungswürdig.
Nur das Piepsen ist noch da, aber das bekommen wir auch noch in den Griff.
Und die ganzen Mails. Hoffentlich.

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