Am 7. November 1999 (anläßlich des 60. Jahrestages des Attentats von Georg Elser auf die Naziführung) sprühte Wolfram P Kastner – genehmigt vom städtischen Baureferat – eine Aussage Elsers aus seinem Verhör bei der Gestapo im Rahmen einer Kunstaktion an vier Stellen der Stadt München auf das Pflaster : „Ich wollte durch meine Tat noch größeres Blutvergießen verhindern“. Anschließend schrieb er in aller Öffentlichkeit auf den schwarzen Gedenkstein vor der Bayrischen Staatskanzlei mit weißer Schrift „Elser“, dessen Name dort fehlt. Kastner betrachtet diese ästhetische Intervention als eine „gemeinnützige Sachergänzung durch Kunst“, die eigentlich im Sinne der Bayrischen Staatsregierung sein müßte.
wk-elser-aktion
Nach zwei Stunden war die Schrift durch einen Geschichtsreinigungstrupp im Auftrag der Staatskanzelei zwar rückstandslos entfernt. Bei einem Verhör wird der Künstler auf Anordnung des Leiters des Staatsschutzes erkennungsdienstlich behandelt: Fingerabdrücke, Verbrecherfoto, Wiegen, Messen etc.
Ein bayrisches Gericht befand: „Nach ständiger Rechtsprechung stellt auch das Beschmieren mit Farbe als nicht nur belanglose Veränderung der äußeren Erscheinung eine Sachbeschädigung dar. Vorliegend war die Aussehensveränderung des vom Angeschuldigten besprühten Denkmals belangreich …“. Die Freiheit spielt jedenfalls in Bayern eine geringere Rolle als das Sauberkeitsbedürfnis der Staatskanzlei. So erkannte das Gericht „Die objektiv vorliegende Sachbeschädigung ist auch nicht durch die Ausübung seines Grundrechtes auf Kunstfreiheit gerechtfertigt.“
Gutachten von Kaspar König (Museum Ludwig Köln), von Prof. Wieland Schmied (Präsident der Bayrischen Akademie der Wissenschaften) und Prof. Willibald Sauerländer (ehem. Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte) stellen fest, dass es sich keineswegs um eine Beschädigung sondern um eine notwendige Ergänzung und Potenzierung des Denkmals handelt. Die Richterin scherte sich darum nicht, gab aber immerhin zu erkennen, dass sie erst durch die Aktion Kastners von der mutigen Tat Georg Elsers erfuhr.
Kastner wurde der gemeinschädlichen Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Er soll die Reinigungskosten, die Verfahrenskosten sowie eine Betrag von 500,- DM an eine Stiftung bezahlen. „Die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 60,- DM bleibt vorbehalten.“
Der Künstler verzichtet auf eine Berufung, da er sich nicht mit bayerischen Gerichten, die er in Kunstfragen für inkompetent hält, auf einen langwierigen und ebenso aussichtlosen Streit einlassen will.

Quelle

Meine momentanen Lieblingsserien:

Platz 1 – Californication
Zusammengesetzt aus „California“ und „Fornication“ (Unzucht). Und das ist noch untertrieben (hihi, ein Wortspiel!), denn hier wird so richtig hingelangt. Vögeln, Saufen, böse sein. Pädagigisch wertvoll zum ansehen, dann muss man nicht jeden Mist selber machen – denn die Jungs (und Mädels) sind echt verdorbene Kreaturen, nicht zur Nachahmung empfohlen. Kostprobe gefällig? Auch auf die Gefahr hin, dass ich nun wieder zum Rapport bestellt werde.

Platz 2 – Dexter
Dexter ist Profiler (gääähn) und gleichzeitig Serienmörder (oops). Verbrecher, die er nicht dingfest machen kann, nietet er eben um. In Hintergrund lauert seine völlig verkackte Kindheit. Besonders brilliant: Der Vorspann. Prädikat empfehlenswert.

Platz 3 – Pushing Daisies
Morbid-romantisch: Typ kann Menschen durch Berührung kurzfristig zum Leben erwecken, die nächste Berührung killt sie dann aber endgültig. Seine Liebste kann er dementsprechend nur durch die Klarsichtfolie beküssen. Süß, witzig, märchenhaft. Guckstu.

„Mein Kummer ist meine Ritterburg, welche wie ein Adlernest hoch oben auf des Berges Gipfel in den Wolken liegt. Von da fliege ich herab in die Wirklichkeit des Lebens und greife meine Beute.“

Sören Kierkegaard, „Entweder – oder“

P.S.: Ohne aktuellen Anlass.

Pater Tommaso greift nach der Hostie, murmelt, hält sie, murmelt, hebt sie brusthoch, hält inne, höher, und Bruno sieht IHN in den Gesichtern der Gläubigen gespiegelt, in ihren verschrumpelten Mündern und rotzbeschmierten Nasen, höher, in ihren sich weitenden Augen und hüpfenden Adamsäpfeln, alle warten auf Christus…
Jetzt.

HOC EST ENIM MEUM CORPUS

„Jesus! Jesus“ „Reinige mich, Christus!“ „Hier! Hier drüben!“
Ein einziger Augenblick, und das Schweigen der Kirche wird zu einer Kakophonie gegröhlter Gebete, heiligen Gebrülls, eines Getöses von Fürbitten, Gebeten, Ersuchen. Christus ist nicht mählich, er ist jäh. Rosenkränze werden geschwungen und verheddern sich in hölzernen Kreuzen. Leute werden geohrfeigt von anderer Leute Amulette. Das genügt noch nicht, also gibt es auch Gehüpfe – ein rechter Blick auf die Hostie schützt bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages vor Blindheit, Impotenz und Tod -, während die Kranken kopfhoch gestemmt werden, um ebenfalls in den vollen Genuss zu kommen: eine einbeinige Frau, ein schwer angeschlagener Kampfhahn, der Hund (obwohl er gesund ist und entweicht), hustende Kinder, jemandes Großmutter. Selbst das Schwein fällt ein, quiekt da oben vor sich hin, während von der Galerie Milchkübel über die Feiernden ausgegossen werden. Kohlköpfe werden geschleudert. Ein Page hält Ascanio einen hin, und er pisst auf seine Blätter. (…) Jungen lassen Hühner frei, die zu fliegen versuchen, scheitern, und denen man die Hälse umdreht. Das Schwein wird in ein Gedränge wartender Schweineliebhaber herabgelassen, die es Stück um Stück zerreißen – unter Gebeten – und sich mit dem hellroten Schweineblut bespritzen. Der Hund verfängt sich in Schweinegedärm. Gekotzt wird auch, der siegreiche Schankbursche wurde zunächst auf den Rücken geschlagen, dann verprügelt, schließlich ebenso erfolglos durchgeschüttelt, und endlich an den Hacken gepackt und geschwungen, bis sein widerstrebender schleimiger Mageninhalt herausspritzt…
(…)
Die Zeit nach der Kommunion ist immer reichlich langweilig. Ein paar Männer und Frauen hocken an den Wänden. Die Bodenfliesen sind mit Speiseresten und Abfällen beschmiert, mit Kohlblättern, Hühnerfedern, Milch, Blut. Der Hund ist verschwunden und das Schweinegedärm auch: aufgefressen. Hinter dem Lettner murmelt Pater Tommaso ein Per Christum Dominum Nostrum, und Fulvio und Bruno steuern ein abschließendes Amen bei.

Lawrence Norfolk, „Ein Nashorn für den Papst“

„If God came down on Christmas Day
I know exactly what He’d say
He’d say „Oi to the punks and Oi to the skins
and Oi to the world and everybody wins!“

No Doubt, „Oi To The World“

Während der Predigt heute dazu ermutigt, die Augen zu schließen und eine Phantasiereise zu wagen, ließ ich’s geschehen.
Man solle sich eine Lichtgestalt vorstellen, die den Gottesdienstraum betritt.
Es gibt ja auch Schwarzlicht, dachte ich mir, und schwupps! hatte das Unbewusste (die Sau) mir einen prächtigen Mongolenkrieger zu Pferde hingemalt, morgensternbewaffnet und alles in Schwarz.
Als von der Kanzel ein „Das ist jetzt Jesus“ erscholl, war es eben so. Die Phantasiereise ging weiter.
Mongolenjesus stieg ächzend von seinem Pferd, watschelte auf seinen viel zu kurzen O-Beinen durch die Sitzreihe, stieß ein paar Omas an und nahm neben mir Platz. Da er schon lange nicht mehr gebadet hatte und Körperpflege sowieso nicht sein Ding war, müffelte er ordentlich. Bei so einem Wetter sind Tierfellwesten auch wirklich unpraktisch. Während er mit der Rechten an der rasselnden Morgensternkette herumspielte, legte er mir die haarige Linke brüderlich um die Schulter. Sagt Jesus etwas, das ihr schon lange einmal mit ihm besprechen wolltet, soufflierte der Pastor, und schon waren Mongo-Christus und ich im ernsthaften Gespräch vertieft. Er war richtig klasse, ein tolles Gefühl, und so spürte ich ehrlichen Abschiedsschmerz, als er sich schließlich umständlich von seinem Stuhl erhob und geschickt in den Sattel schwang.
Jesus ist eben immer für eine Überraschung gut. Und mein Jesusbild um eine markante Nuance reicher.

Heute Nacht aus dem Schlaf aufgeschreckt worden: Rüttelnde Dachziegel, hartprasselnder Hagel, ca. alle 1-2 Sekunden (sic!) Blitz. Das Programm hielt für ca. 15 Minuten an.
War mir gleich klar, dass das nicht ohne Schäden abgeht und evtl. auch Sharky was abbekommt. Andererseits war ich so müde, dass ich mich mit einem „Kann ich mir auch noch morgen ansehen) in den Schlaf rettete.

War schon doll. Ein paar Dachziegel lagen im Garten, und der Baum hatte ein paar nicht ganz kleine Äste lassen müssen. Sharky sah aus wie zum Natomanöver gekleidet, aber sonst noch alles dran.
Spannend wurde es erst, als ich die Burgauffahrt herunterfuhr und nach rechts sah (vgl. Foto). Da hat einer der Myriaden von Blitzen wohl den Baum zerfetzt.
Beinahe hätte Schweinsberg seinen einzigen Alfa verloren, denn an dieser Stelle habe ich in der Vergangenheit durchaus auch hin und wieder mal geparkt.
Irgendwas ist ja immer.

Ich schaue hinein, will verinnerlicht sein. (ich würd’s ja besser lassen)
Schalt das Innerlicht ein, was wird da wohl sein? (Nix, Xavier. Vakuum)
Was drang in mich ein? (Bäh)

Meine Augen sind auf, doch ich sehe nicht raus. (Dein Mund ist zu, du lässt mich in Ruh’)
Ich schaue hinein, will verinnerlicht sein. (Würde dir ja mal guttun)
Schalt das Innerlicht ein, was wird da wohl sein? (Warum sollte sich da was geändert haben?)
Was drang in mich ein? (Nun reite da mal nicht so drauf rum, Xaver)

Meine Augen sind auf, doch ich sehe nicht raus. (Langsam wird’s langweilig.)
Ich schaue hinein, will verinnerlicht sein. (Hatten wir schon.)
Was drang in mich ein? (Soll das ein Anbetungslied werden, oder warum wiederholst du dich ständig?)

Die Sehnsucht, die Sehnsucht. (Die Öde, die Öde…)
Bin wie ein Blinder, der das Sehen sucht, (Taub wärste mir lieber)
weil er sich nicht irgendwen sucht. (Aber irgendwas singt. Puh.)
Wir sehen uns. (Nee, bei aller Liebe. Bleib mir weg.)

Manche fragen wie die Zeit vergeht, (Oh ja. Noch 2:45…)
wie die Zeit vergeht, wie die Zeit vergeht. (So auf jeden Fall, du textfauler Sack)
Ich frag mich wie die Zeit entsteht, (Dann setz dich mal da in die Ecke, denk nach und halts Maul)
wie die Zeit entsteht, wie die Zeit entsteht. (Wie die Zeit entsteht?)
In der ich ausgesprochen lang mit einer
ausgeprägten Sehnsucht leb. (Ja, ausgesprochen, Xaver. Leider.)
Die kommt und geht, kommt und geht. (Mir war auch so schon schlecht, jetzt ist mir auch noch schwindlig)

Manche fragen wie die Zeit vergeht. (Wer?)
Ich frag mich wie die Zeit ensteht, (Wir sprachen darüber)
in der ich ausgesprochen lang mit einer
ausgeprägten Sehnsucht leb. (Jaja, manche Dinge dauern eben. *würg*)
Die kommt und geht und steht und fällt, (He, da war gerade was Neues, oder?)
mit meinen Eindrücken dieser Welt. (Jetzt wird’s aber philosophisch. Rauchst du gerade was?)
Vom feigen Held, der nichts erzählt, (‘Helden’, nicht ‘Held’. Aber deine Zielgruppe merkt das nicht)
weil ihm dazu der Mut längst fehlt. (Lieber ein schweigender Feigling als ein sabbelnder Xaver)

Mir fehlt die Sehnsucht, (Und mir die Ruhe)
ich vermisse die Sehnsucht. (Und ich mein Mittagessen, das hast du inzwischen auf dem Gewissen)
Bin wie ein Blinder, der das Sehen sucht, (oder die Kontaktlinsen?)
weil er sich nicht irgendwen sucht. (Ich dachte, du poppst jeden? Hab ich mal gelesen)
Wir sehen uns. (da sei der Herr vor)

Mir fehlt die Sehnsucht. (Ich hab’ gleich, was mir fehlt)
Mir fehlt die Sehnsucht. (Noch eine Zeile)
Ich vermisse die Sehnsucht. (Und ich jetzt gar nichts mehr. Ahimsa und tschüs.)

Da war dieser Fleck. Ich habe ihn schon lange. Aber kann es sein, dass er in der letzten Zeit etwas größer geworden ist?
Da war dieses Buch. Eigentlich sollte ich mich nach Norberts Wunsch mit dem gefühlskalten Philipp identifizieren. Plötzlich schlüpfte ich aber unwillkürlich in Julius’ Haut, die fleckengezeichnete, melanomige, am Ende leichenblasse.
Da war dieses Hörbuch. Und das alles nun plözlich viel zu viel.
Was tut der moderne Mensch? Wikipedia fragen. Leckmichamarsch. Ab 2 mm soll man nachsehen lassen. Werkzeugkoffer vom Klamottenschrank gewuchtet – 1,4 cm. Scheiße. Wer bekommt die Ledersofas? Wer kümmert sich um die Katzen? Welche Bücher schreibe ich noch zuende? Welche lese ich noch? Chemo ja oder nein? Drüber bloggen oder nicht? Wem es wann sagen? Waren all die anderen 2-mm-Flecken neulich auch schon da?
Heute morgen beim Arzt angerufen, heute nachmittag auf der Behandlungsliege Platz genommen. Arzt macht Spezialfoto, zuckt mit den Schultern, runzelt die Stirn………………………………………………………………….und grinst mich an. „Alles ok. Schönen Tag noch.“
Lange nicht mehr 10 Euro so sinnvoll angelegt. Subjektiv betrachtet eine lebensverlängernde Maßnahme.

„Natürlich konnte man nicht alles wissen, und das war auch nicht nötig, aber viele Menschen wussten vermutlich nicht einmal, was es alles zu wissen gab. Sie lebten und starben, ohne dass ihnen jemals irgend jemand erzählt hatte, dass es auch noch dieses und jenes zu wissen gab, was sie vielleicht gerne gewusst hätten. Aber wenn man einmal tot war, was machte es dann noch für einen Unterschied? Dann hätte man genauso gut nie geboren sein können. Die meisten Menschen wollten vielleicht gar nichts wissen, sondern nur reich werden oder viel essen oder sich Fußballspiele ansehen oder irgend etwas anderes. Oder sich küssen.“ (Harry Mulisch, „Die Entdeckung des Himmels“)

Nächste Seite »