Eben fragte mich jemand, ob ich auch den Fernsehbeitrag über die „Therapie von Homosexuellen“ gesehen habe, der sei ja sehr negativ gewesen. Wir hatten nie über dieses Thema geredet, und da scheint irgendwie klar zu sein, dass es für Christen in dieser Frage nur einen möglichen Standpunkt gibt???

Anscheinend habe ich mancherorten Unklarheit hinsichtlich meiner Einstellung hierzu entstehen lassen. Das betrübt mich ernsthaft. Bin ich so ein Schisser? Ich arbeite dran. Ehrlich.

Scheiß auf die Angst, die hat ja selbst Angst
und meistens gar nicht Recht
mit ihren nur aus der Ferne einschüchternden
Hypothesen und Szenarien.
Aus der Nähe muss ich über sie lachen.
Du armer Wurm! Du hast mich geknechtet?

Wenn ich mir gerade so die Pressekonferenz anhöre, dann fällt mir auf, wie normal dieser Amokläufer war. Das mutet uns noch bedrohlicher an als jeder terroristische Anschlag, denn hier kommt jede Möglichkeit der Prävention und Sicherung an ihre Grenzen. Sicher, die Teilnehmer der Chats hätten warnen können. Vielleicht mehr als ein knappes „lol“ rausschicken. Aber man steckt nicht drin.
Es gibt kein Leben ohne Restrisiko. Das erschüttert. Wir leben doch in Frieden. Bagdad, Kairo, Hindukusch – alles weit weg. Winnenden, das ist ganz schön nah. So nah, dass es auch mir unter die Haut geht. Wir haben für so etwas keine Mechanismen, keine Standardprozeduren – woher denn auch. Das haut voll rein.
Nun wird lange und intensiv diskutiert werden, was zu tun ist. Wie können wir uns schützen, unsere Lieben schützen? Wer ist schuld, wer muss zurücktreten, wer in den Knast?
Manche Katastrophe kündet sich an. Dann gilt: wehret den Anfängen. Aber manches Gewitter kommt ohne Vorwarnung. Das wird so bleiben. Denn der Mensch ist ein (auch) triebgesteuertes Wesen, das sich letzendlich nicht ganz selbst kennt und auch gar nicht kennen kann.
Was wir tun können? Offen sein, da sein, uns den eigenen Abgründen stellen. Solange der Mensch ein Wesen bleibt, das „Krach macht und nicht zuhört“ (Kurt Tucholsky), bleibt alles beim Alten.
Hoffentlich klingt das nicht zu sehr nach Klugscheißerei, denn danach ist mir momentan gar nicht.

„Psychologie ist die Enttäuschung unseres Bildes vom Menschen. Spannungen, Ambivalenzen und Verrücktheiten gehören zu seiner Lebendigkeit.“
Linde Salber, Psychologie für die Westentasche

Der Mensch lebt gleichzeitig in verschiedenen Welten, die nichts voneinander wissen.
Will meinen:
-Mein Unbewusstes weiss nichts von dem anderen Wesen, mit dem es sich einen Körper teilt. Hat keine Peilung davon, dass ich in einer festen Beziehung lebe, einen tollen Job habe und ganz schön Übergewicht. Nur so ist zu erklären, dass es ständig drängt – zum Rammeln, Pöbeln, Fressen. Es hat sein Leben nicht dem Herrn Jesus übergeben und will jeden Konflikt bis aufs Blut ausfechten. Ja, selbst wenn Homosexualität heilbar wäre, hier endet sogar die Macht der Jungen Christen.
-Das Über-Ich rümpft die Nase über diese Sau und die ständige Sauerei, die sie allerorten anrichtet, unberechenbar, uneinschränkbar, untödlich, denn das Vieh kann schwimmen. Mindestens ebenso traurig wie der Herr Jesus ist es über all die Glaubensunvereinbarkeiten, die da unten immer wieder ausgebrütet werden. Die meisten davon kann es verhindern, aber es ist eben nicht omnipräsent. Und wenn die Sau etwas wirklich will, dann bekommt sie es auch.
-Mittendrin wie der orientierungslose Kopf im Niemandsland zwischen Engelchen und Teufelchen das Ich. Mal hierhin, mal dorthin.

Als Gott den Menschen schuf, da trennte er das Meer vom Land. Und er nannte das Meer Unbewusstes und das Land Bewusstes.
Eins tat er nicht: Das Meer austrocknen. Mose schritt hindurch und Jesus drüber; Petrus ebenso, aber schon mit Abstrichen. Und ich? Ja, ich halte mich meistens über Wasser. Und hoffe nur, dass mein Schaden dabei kein Gehirn nimmt.

Wie ein Hamster im Laufrad fliege ich über to-do-Listen, Aktenberge, Landesmittelabrechnungen und Schulungsentwürfe. In affenartiger Geschwindigkeit werden Situationen und Sachverhalte begutachtet, bearbeitet, abgeheftet und umgehend vergessen. Veni, vidi, vici. Alleine oder im Team werden ganz beiläufig und gerne auch im Doppelpack Ziele erreicht, die eigentlich erst in 1-2 Jahren geplant waren. Es boomt allerorten. Ab und zu vergesse ich auch einmal etwas, Tel Aviv.
Wie einen Hamster im Laufrad treibt mich ein explosives Gemisch aus Spaß am Situativen, kurzsichtiger Naherwartung und fragil-titanenhafter Hybris voran.
Wie lange noch, Herr? Das kann einfach nicht gut gehen. Wäre ja noch schöner.

Vorschlag
Fäustlinge
Haube
Sturzbetrunken
Fallstudie
Ausdruck
Stichprobe
Schwerte

Heute Nacht geträumt:
Bewerbungsgespräch, vermutlich in einer Gemeinde. Auf die obligatorische Frage, „ob ich denn den Herrn Jesus lieb habe“, antwortete ich: „Jawoll. Wir können gar nicht genug voneinander bekommen. Ich stehe sogar manchmal nachts auf und hole mir welche.[???]“ Dann schob ich die Anekdote „Jesus Khan“ nach.
Keine Ahnung, wie das konkret ankam und was daraus wurde. Fühlte sich jedenfalls toll an.

„Denn ich mache dich für dies Volk zur festen, ehernen Mauer. Wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben; denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der HERR.“

Jer 15, 20

Auf Jeremia stand ich ja eh schon immer.
Heute hat es sich einmal mehr bewahrheitet: Einfach mal die Klappe halten, während der Chef in Form anderer Menschen für mich kämpft.
Um zu warten, bis die Leiche des Gegners im Fluss vorübertreibt, bin ich nämlich definitiv zu ungeduldig.
Viel lieber gucke ich zu, wie nette Menschen sich nachhaltig um ihn kümmern. Da halte ich auch gerne mal währenddessen ihre Mäntel. Wat ‘ne Show.

Ich sach ja: Kaffeetrinken zahlt sich aus.

P.S.: Nein, es wurden keine Schuhe geworfen.

„Obwohl Honigessen etwas sehr Gutes ist,was man tun kann, gibt es doch einen Augenblick, kurz bevor man anfängt, den Honig zu essen, der noch besser ist als das Essen.“
(Eduard Bär aka Pu der Bär)

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