Schulterblick

2003: freier Fall
2004: zaghafte Bodenbildung
2005: vorsichtige Trendwende
2006: Aufschwung und Stabilisierung

Insgesamt bin ich da, wo ich sein will. Lerne, auch die kleinen Dinge und Augenblicke zu genießen. Mittlere Töne und so.
Das widerspricht ja sowas von meiner eigentlichen Persönlichkeitsdisposition. Aber es geht doch nichts über ein erweitertes Verhaltensspektrum.
Blut, Schweiß und Tränen können mich momentan jedenfalls erstmal.

P.S.: Wir begrüßen Chile, Assam und Peking in der Lesergemeinschaft. Schweisberg globalisiert wie Hulle…

Die Asche des Bösen

Saddam hat den Planeten verlassen. Sündenbock abgeknallt.
Und schon blökt die Herde der Hirnlosen los, er habe noch eine viel schlimmere Strafe verdient.
Unglaublich. Erstens ist er ein Geschöpf der CIA, zweitens längst nicht das grausamste. In Südamerika, Afrika und Asien gab es ganze Säcke voll Diktatoren auf der US-Gehaltsliste, die unendlich blutrünstiger waren.
Warum also musste ausgerechnet Herr S. aus T. bei B. den Kopf in die Schlinge stecken?
Weil er nicht mehr funktioniert hat. Weil er seinen eigenen Kopf hatte. Na ja, jetzt nicht mehr.
Die Drecksarbeit machen natürlich die Untergebenen. Kadaverwegräumgehorsam.

Zum Detail: Saddam wurde hingerichtet, weil er sich gerächt hatte. Man hatte ein Attentat auf ihn unternommen, und dafür äscherte er das betreffende Dorf ein.
Kann sich noch jemand an den 11.9.2001 erinnern? Attentat. 2973 Kollateralschäden.
Reaktion? Rache. Zwei Nationen bombardiert, mit Krieg überzogen, besetzt. Man nimmt an, dass es allein bei der ‚Befriedung‘ Afghanistans fünfmal soviele ‚Zivilschäden‘ gab wie am 11.9. Aber das waren keine freien Bewohner der westlichen Hemisphäre, also zählt es nicht so richtig. Fremdes Leid wiegt leichter. War auch keine Kamera dabei, die Amis sind ja nicht blöd.

Und dann Irak. Kriegserklärung unter Vortäuschung falscher Tatsachen. Na ja, da waren wir Deutschen gelegentlich auch nicht besser.

Heute geht es dem Irak bedeutend schlechter als unter Saddam.
Wohlgemerkt, ich bin kein Fan von Diktatoren. Mich ekelt nur diese Propaganda an, die so vielen Menschen Sand in die Augen streut.

Und da beginnt dann mein Theologenherz zu schlagen: Ich könnte diese Dreckswelt nicht ertragen, wenn es da nicht am Ende noch diese Gerichtsverhandlung gäbe.

Wenn George vor den Kadi gezerrt wird, will ich auf jeden Fall dabei sein.
Der kriegt ja wohl voll auf die Omme…

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Hobbytechnisches

P4League Season 06/07 Tier 1 on Vimeo

Sag noch einer, Planets sei langweilig.
Kommentare, Fabian?

New York kann jeder

Lust auf ein Interview mit Unterhaltungswert?
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Zahn und Zeit

Heute endlich mal eine Zahnarztpraxis erreicht.
„Na, so, wie sie mir den Fall schildern, ist das dann ja sowieso eine längerfristige Angelegenheit, das ist mit einem Termin nicht getan. Erstmal muss sich der Nerv beruhigen, und dann werden wir ein paarmal die Medizin in ihrem Zahn wechseln müssen, bevor wir das verschließen können. Ich gebe ihnen mal einen Termin für nächste Woche.“

Im Ernst? Ich soll eine Woche lang mit einem Wattepad im Zahn rumlaufen?

„Das ist kein Problem. Wenn er rausfällt, können sie ja selbst einen neuen reinstecken.“

Juhu.

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Nothing ever happens

post office clerks put up signs saying position closed
and secretaries turn off their typewriters and put on their coats
janitors padlock the gates
for security guards to patrol
and bachelors phone up their friends for a drink
while the married ones turn on a chat show
and they’ll all be lonely tonight and lonely tomorrow
yes, and they’ll all be lonely tonight and lonely tomorrow

gentlemen time please, you know we can’t serve anymore
now the traffic lights change to a stop, but there’s nothing to go
and by five o’clock everything’s dead
and every third car is a cab
and ignorant people sleep in their beds
like the doped white mice in the college lab

nothing ever happens, nothing happens at all
the needle returns to the start of the song
and we all sing along like before
nothing ever happens, nothing happens at all
the needle returns to the start of the song
and we all sing along as before
and we’ll all be lonely tonight and lonely tomorrow

telephone exchanges click while there’s nobody there
the martians could land in the park and no one would care
close-circuit cameras in department stores
shoot the same video every day
and the stars of these films neither die nor get killed
just survive constant action replay

Refrain

bill hoardings advertise products that nobody needs
while angry from manchester writes to complain about all the repeats on t.v.
and computer terminals report some gains
on the values of coppers and tin
while american businessmen snap up van goghs
for the price of a hospital wing

Refrain

P.S.: Morgen gehe ich dann mal zum Zahnarzt.

Wie ein Zahn an mir nagt

So, jetzt mal alles der Reihe nach.
Am 23. abends, frisch in Minden angekommen, ging es los. Ein Eckzahn, dessen Goldkrone damals noch das Bundesamt für den Zivildienst finanziert hatte (meine Zuzahlung: 4 Mark 51), begann zu pochen. Mit sich über die Nacht steigernder Volatilität. Zum Schluss saß ich im Bett und zählte die Minuten, bis ich endlich mit beachtlich geschwollender rechter Kopfhälfte zum Onkel Doktor konnte.
Dort angekommen natürlich erst mal ewig warten. Dann begrüßte mich ein Mädel, das halb so groß und halb so alt war wie ich, mit einem freundlichen „An Zahnschmerzen ist noch niemand gestorben“ und schwang den Stechbeitel. Mit selbigem bearbeitete sie Zahn und Umfeld, was den Armlehnen des Behandlungsstuhls ein paar tiefe Furchen einbrachte. „Oh, da kommt ja ordentlich Eiter raus“, murmelte sie und schickte mich zum Röntgen. Die zuständige Sprechstundenhilfe wollte, dass ich auf eine Plastikplatte biss. Mit dem bösen Zahn. Haha. Größere Diskussion, aber am Ende schafften wir es doch.
Dann kam das Tollste: So ca. zehn Spritzen um den Zahn herum in das entzündete Gewebe. Das wünsche ich nicht meinem schlimmsten Feind, ich habe gezuckt wie auf dem elektrischen Stuhl und befand mich recht weit außerhalb meiner Komfortzone.
Das anschließende Gebohre ging da schon beinahe an mir vorbei. Ich glaube, da war ich das Ohnmacht wirklich schon recht nahe. Als das Mädel dann allerdings mit der Rohrfrei-Spirale in meinen Zahnwurzeln rumschraubte („Nimm mal die Größere. Ach nee, doch gleich die ganz Große.“), holte mich das Knirschen zurück. Danach rammte die kleine Zahnfee drei Pflöcke in die Wurzeln, steckte ein Stück Watte drauf und meinte, ich dürfe ruhig essen, was ich wolle. „Das holt dann der Kollege in Marburg wieder raus.“
Anschließend wurden dann die Eitertaschen ausgeräumt. „Die Betäubung hört gleich wieder auf. Da wollen wir uns mal ranhalten.“
Auf meine Frage, ob sie mir denn sicherheitshalber über die Feiertage ein Schmerzmittel verschreiben würde, drückte sie mir zwei Ibuprofen in die Hand. Toll. Smarties hätten mehr gebracht.
Traumatisiert taumelte ich auf die Straße, spuckte hier und da eine ordentliche Ladung Blut in den Rinnstein und wartete auf das väterliche Taxi.

Das war vorgestern. Seitdem gehts immer so auf und ab. Alle paar Stunden kommt mal ein richtig fieser Schub, der mich dann regelrecht auf die Matte schickt. Aber nach einer halben Stunde ist es meistens vorbei.
Und nachts schlafe ich überwiegend.

Morgen früh wird dann weitergebohrt.

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