Vorsätzliches

Darüber denke ich nun schon länger nach. Aber über triviale Banalitäten hinaus mag mir nichts einfallen. Keine Paradigmenwechsel, keine welt- oder selbstverbesserischen Konzepte, keine Visionen, keine Rettungspläne.
Einfach nur weiter das machen, was ich am besten kann und was außer mir noch nie jemand geschafft hat: Ich selbst sein.
Kann sowieso nicht anders. Kann und will aus meiner Haut nicht raus, habe mich auch schon lange nicht mehr so wohl in ihr gefühlt. Die Ursachen hierfür sind mehrkomponentig und deshalb verrmeintlich schicksalsresistenter. Aber man weiß ja nie – am Ende eines Jahres habe ich noch immer den Kopf geschüttelt.
Jedenfalls muten die Säulen des Tomschen Lebenshausen momentan recht wohlgeerdet und wolkenstürmerisch an. Da braucht’s keine Add-On-Konzepte.

Na ja, um das GJW mache ich mir manchmal schon Gedanken. Aber das sind wir ja alle zusammen.

Licht, Schatten und das ganze Drumrumgedöns

„Mein schöner Plan ist also futsch!“
Frodo Beutlin

Jahreszeitbedingt folgt das vom geneigten Endverbraucher sicher bereits befürchtete Lebensabschnittsresümee.
2007 war ein Kracher – von solcher Intensität, dass ich mich dieses Silvester pyrotechnischer Aktivitäten enthalten werde. Lauter als das Leben (die Sau) schaffe ich’s sowieso nicht.
2007 gellt mir noch in den Ohren. Eine nicht unerhebliche Anzahl von Entwicklungen ist noch nicht verdaut, lässt mich staunen, stirnrunzeln, grübeln, grinsen. Wie immer habe ich wenig dazu getan. Hier abgewimmelt, da zugegriffen, dort verhindert. Das Übliche eben.
Immerhin haben wir ein paar Dinge gelernt:
-Sagen, was ich will.
-Das nötigenfalls auch mehrmals und lauter wiederholen.
-Misstrauen abbauen.
-Planen, wo man planen muss; vertrauen, wo man vertrauen muss. Und lernen, das eine vom anderen zu unterscheiden.
-Weihnachtsmärkte sind doch nicht so schlecht.
-Schenken und beschenkt werden sind Teil des göttlichen Plans.

Auf die eine Art

Weihnachten war dieses Jahr mal wieder klasse. Zwei Tage lang mit Verwandten und Bekannten in wechselnden Kombinationen essen, trinken, quatschen, Sachen auspacken, Leuten beim Sachen auspacken zusehen, dabei komische Geräusche ausstoßen, Leuten beim dabei Geräusche ausstoßen zuhören.
Nee, echt jetzt. Wenn man den wie so oft jämmerlich aufbereiteten religiösen Part mal auslässt, ist Weihnachten doch gar nicht so schlecht.
Man kann bekanntermaßen nur Gott oder dem Konsum dienen. Und der Konsum hat nun einmal die Schlacht um die Feiertage gewonnen, das muss man doch zugeben. Also huldigt man ihm ein paar Tage lang, und dann ist wieder gut – man tut so, als ob nichts gewesen wäre.

Puh, jetzt wollte ich mal als Kontrast zu gestern was Nettes zu Weihnachten schreiben. Hat wohl nicht geklappt, hm?

Besinnliches zum Feste

„Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!“
Amos 5, 21; 23

Meine Nichte hat mir während der Christvesper besonders gut gefallen – sie hat satt in die Kirche gekotzt.

Das Volk,das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht

Wenn man nach Minden kommt, geht’s nicht ohne sie. Denn sie prägen das Straßenbild seit nunmehr 20 Jahren.
Damals, ich war mit 16 Lenzen frischgebackenes, stolzes Jugendgruppenmitglied, war unser ungarischer kommunistenhassender Pastor völlig aus dem Häuschen. Die Gefangenen Zions waren frei, ein neues Zeitalter angebrochen, alles war genau wie in der Offenbarung angekündigt.
Und sie kamen. Schüchtern erst, höflich, anpassungswillig auf der Suche nach Leitkultur im Land ihrer Träume. Verschönerten unsere Statistiken in sämtlichen Gemeindegruppen. Wir erklärten, sammelten, richteten ein, begleiteten auf Ämter. Kauften Autos mit ihnen, Grundstücke, Babysachen, Südfrüchte.
Alles war neu, harmonisch, vielversprechend. Wir konnten unser sozialdiakonisches Gewissen beruhigen, ohne den vertrauten Rahmen unserer Gemeinde verlassen zu können. Das Paradies.
Aber mit einer der nächsten Migrationswellen kam die Kommandoebene. Alte, finstere, hornbebrillte graue Eminenzen. Und plötzlich durften sie nicht mehr. Weil wir Fernseher besaßen und überhaupt ganz grundsätzlich viel zu sehr in der Welt lebten. Na ja, die Tochter ihres Gemeindeleiters wohl auch, die ließ sich nämlich von einem Moslem schwängern und wurde aus all ihren bisherigen Lebensverhältnissen ausgestoßen.
Die ehemaligen Freunde erkannte man schließlich nur noch an den lilaorangen Plastikanoraks und weißen Baumwollstrumpfhosen auf der anderen Straßenseite, die sie plötzlich bevorzugten.
Und man roch sie. Denn auch wenn sie uns verachteten, galt dies nicht für unser Kapellengebäude. Das nutzten sie gerne Sonntagnachmittags für ihre Betstunde. Es blieb etwas von ihnen zurück. „Miefis“ nannte unser Hausmeister sie deshalb. Inzwischen sind sie aber wohl auch theologisch über das Kernseifestadium hinaus.
Das Lilaorange herrschte lange vor, und auch heute noch markiert in erster Linie Modisches den garstigen Graben, den wir nicht wollten.
Heute morgen beim Brötchenholen sah ich eine von ihnen. Mit Felljacke und Schlagjeans. Wohl eine Aussteigerin. Aber man erkent sie trotzdem.

"Daran, dass ich immer wieder mit Menschen zusammenstieß, erkannte ich, dass ich auf dem richtigen Weg war."

Chris Cleave „Lieber Osama“. Unerreicht als Hörbuch!

Das ist jetzt alles sehr untypisch…

-Alle Geschenke sind vorhanden (Na ja, bei einem hat DHL die Zustellung versemmelt, aber da kann ich ja nun nix für).
-Sie sind in künstlerisch wertvolles und nach meinen Maßstäben anmutiges Papier eingepackt (dieses Jahr kein Klopapier oder Alufolie, obwohl mich das sage und schreiben fünf Euro gespart hätte).
-An meiner Tür hängt ein jahreszeitspezifisch gestalteter Kranz.
-In meinem Schweinsberger Domizil ist alles friedlich (seit nunmehr zwei Monaten).
-Ich war an jedem Adventssonntag auf einem Weihnachtsmarkt, aber an keinem in meiner Gemeinde (höhere Gewalt).
-Weihnachten gibt’s ’nen Baum, der nicht kopfüber von der Decke hängt (ich kann’s meinen Eltern ja schlecht verbieten).
-Zum Fest werden Schotten anwesend sein (Rock in Weihnachtsfarben?)
-Erstmals gehöre ich der zweitältesten Generation der Feiernden an.
-Beinahe hätte ich Weihnachtskarten verschickt.

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