Emergency Church

Zehn Hinweise darauf, dass du dich in DER Notaufnahmestation der deutschen Kirchenlandschaft befindest:
1. Als Alarmsignal ertönt eine Klangschale.
2. Statt nach Desinfektionsmittel riecht es nach Räucherstäbchen.
3. Alle sind McLaren-Fans, haben aber keine Ahnung von der Formel 1.
4. Man versucht gar nicht erst, die Patienten zu reanimieren. Stattdessen erschafft man neue.
5. Das gesamte Personal bloggt und liest während der Arbeit amerikanische Literatur.
6. Es gibt eine Stationsband, die ununterbrochen Anbetungsmusik spielt.
7. Die ganze Station ist mit bunten Tüchern dekoriert.
8. Im Wartezimmer gibt’s statt Stühlen Sitzkissen.
9. Demnächst kauft man das Willow Creek Community Hospital auf.
10. Man ist vom Krankenhaus ins örtliche Kino umgezogen (wahlweise tut’s auch ein Cafe).

Nordhessen entgleist

Scheinbar gab es früher richtig viele Eisenbahnstrecken im nördlichen Hessen. Mit der Zeit
legte man dann aber die meisten von ihnen still. Dafür werden heutzutage Autobahnen 
nachgebaut, das ist doch auch mal was.
Nordhessen geht manchmal runter bis nach Niederwalgern (siehe Karte). Schweinsberg inclusive.  Wir werden das im Rahmen unserer Stellenplanung berücksichtigen…
Nett auch, dass anscheinend über eine Reaktivierung des Personengleisverkehrs nach Schweinsberg nachgedacht wird. Da könnte ich ja bald mit der Diesellok zur Arbeit fahren.

Samstagsunterricht

Eigentlich wollte ich ja mal wieder einen Tag frei nehmen. Aber dann lag ein ziemlich fetter Umschlag für meine Supervisorenausbildung im Briefkasten. Mehrere hundert Seiten Literatur wollen in den nächsten Wochen bis zum ersten Kursabschnitt durchgeackert werden.
Die nächsten drei Jahre werden schon spannend.
360 Unterrichtsstunden Theorie
60 Unterrichtsstunden gruppenanalytische Lernprozessbegleitung
80 Stunden regionale Lerngruppe
35 Sitzungen Lehrsupervision
45 Sitzungen Lernsupervision
5 Hausarbeiten

Wehe wenn das Zertifikat kein hübsches Siegel hat.

Fitna

Da hat also ein holländischer Rechtspopulist einen verpixelten kleinen Propagandafilm gegen den Islam rausgebracht. Guckstu hier.
Na und?
Fast kommt mir dieses Machwerk vor wie eine Zusammenfassung landläufiger Vorurteile, die man 
als Mitteleuropäer eben hat. Nichts Neues, nichts Spektakuläres.
Das alles regt mich nicht besonders auf. Weil es nicht meine Baustelle ist. Kritik am Islam (und dazu 
fällt mir durchaus eine ganze Menge ein) ist einfach nicht meine Sache.
Lieber kehre ich vor meiner eigenen Tür. Denn über Christens und ihre Wildwüchse könnte man
mindestens einen genauso aufrüttelnden Film drehen, über die Amis erst recht. 
Nein, ich kümmere mich weiterhin um die Missstände in meinem eigenen Verein. Denn auch in 
dem gibt es Weltbeherrschungs- und Gesellschaftstransformationsphantasien.
Fitna kratzt mich nicht.  

Macht

Dieses Siegel geht mir noch nach. Die Mormomen siegeln ihre besonders Gläubigen in ihren Tempeln – nach einem Ritus, auf dessen Preisgabe an Außenstehende bis 1990 noch die Todesstrafe angedroht wurde.
Was steckt dahinter, wenn ich Menschen siegeln, prägen, be-drücken will?
Max Weber definiert Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“.
Macht, das ist im Kontext von Gemeinde ein tabuisiertes, aber zentrales Thema. „„Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen“, meint Jacob Burckhardt dazu. Insofern ist Top-down ein unglücklichmachendes Prinzip, vielleicht sogar ein unseligmachendes. Wäre ich fundamentalistischer geprägt, würde ich schlussfolgern: 
Nur Up To You ist evangeliumsgemäß.
Wie hat es denn Jesus gemacht? Hat er gesiegelt, beeinflusst, durchgesetzt? Lautes Nein.
Jesus hat ausdrücklich auf Macht verzichtet. Er hat das Versagen nicht gefürchtet, ist offenen Auges auf das Scheitern zugegangen und hat es durchschritten. Was sind die Leidensankündigungen anderes als Scheiterns- und Machtverzichtsankündigungen? Erfolg ist keiner der Namen Gottes (Martin Buber). Warum sollten wir erstreben, Gott zu übertreffen?

Meine Konsequenz: Ich siegele nicht. Denn ich sehne mich nach evangeliumsgemäßem Leben.

Eine Freizeit – viele Theologien

Beteiligung und Teilhabe machen so eine Freizeit bunt. Es bringt sich eine vielfältige, jeweils sehr engagierte Schar von Mitarbeitenden ein.
Der eine will den Teens das Siegel Christi aufdrücken, der andere gesalbte Langzeitinputs, wieder ein anderer meint, sie sollen selbst darauf kommen, was Jesus für sie bereit hält.
Da finde ich mich schnell in einer heiklen Rolle wieder. Als (Co-)Leiter der ganzen Sache, aber eben auch mit einer eigenen Position. Bleibe ich nun mir selbst treu und verlasse damit die Moderatorenrolle, oder halte ich mich zurück, lächele freundlich und versuche, mein Dampfen nicht sichtbar werden zu lassen? Eine Musterlösung gibt’s da nicht.
Theologische Diskussionen sind eigentlich ziemlich langweilig. Nichts ist vorhersehbarer. Jede Generation produziert dieselben Ketzereien. Es ist leicht, einen Disput zu gewinnen, aber gewonnen ist damit am Ende nichts. Phrasendreschen kann nur nach hinten losgehen.
Aber es fällt mir schon schwer, die Pfeile im Köcher zu lassen.
Viel spannender ist jedoch das, was in den letzten Tagen bei den Teens passiert ist. Auf die kommt es schließlich an.
Schätzungsweise 20 Flipchartblätter haben sie uns mit ihrem Feedback vollgeschrieben. Die wollen erstmal ausgewertet werden. Vielleicht hängen wir uns ein paar davon als Tapetenersatz an die Bürowände – um nie zu vergessen, wofür wir unseren Job tun.
Sage und schreibe 350 Fotos und 13 Videos, insgesamt 3,71 GB Daten, haben wir zusammengetragen. Ab morgen sind sie unter www.gjw-hessen.de einsehbar.

Von der Kunst, den richtigen Film zu zeigen

Besonders heikel ist im Kontext von GJW-Freizeiten die rechte Auswahl des Films für einen Kinoabend. Langweilig darf er nicht sein. Aber auch nicht allzu aufregend.
Nun haben wir gestern einen guten, harmlosen gezeigt.
Mit dem Effekt, dass sich am Ausgang ein sonst eher stiller kleiner Junge an mir vorbeidrückte und zu seinem Freund murmelte: „Wenn’s wenigstens was mit Drogen wär‘.“

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