Das Sex-ist-nicht-alles-Papier

(Vor ein paar Jahren aus aktuellem Anlass geschrieben, aber niemals abgeschickt)
Liebe Mitglieder der Gemeindeleitung NN,
wie die vergangene Zeit gezeigt hat, konzentrieren sich die Bemühungen der Gemeindeleitung, ethische Sachverhalte thematisch und mitarbeitertechnisch anzugehen, offensichtlicherweise auf Fragen der Sexualethik. Wir betrachten diese Entwicklung deshalb mit Sorge, weil dadurch andere Themen schriftgemäßer Lebensführung aus dem Blickfeld zu geraten drohen und schädliche Verhaltensweisen, die dem Leib Christi abträglich sind, nicht mit der angemessenen Aufmerksamkeit aufgezeigt und eingedämmt werden. So zählt Paulus in Gal 5, 19-21 neben dem Tatbestand der vielbeachteten Unzucht bzw. Hurerei immerhin 14 weitere Werke des Fleisches auf (Unzucht bzw. Hurerei, Unredlichkeit bzw. Schamlosigkeit, Zügellosigkeit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Zänkereien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neid, Trunkenheit, Völlerei) und regt uns darüber hinaus mit dem Nachtrag „und dergleichen“ an, auf eigenständige Weise unseren Lebenswandel zu reflektieren, wovon Katalogisierungen und schriftlich fixierte Verhaltensnormen niemals freisprechen können. Insofern brächte es uns als Gemeinde natürlich nicht weiter, ethische Abhandlungen zu Themen wie „Zornausbrüche“ oder „Völlerei“ zu verfassen, auch wenn die Früchte dieser Werke des Fleisches in höchstem Maße offenbar und für jedermann nachvollziehbar sind.
Ist es aber nicht so, dass solche und vergleichbare von Paulus gebrandmarkte Manifestationen psychischer Defekte, die auf den ersten Blick als solche erkannt werden können, mindestens ebenso sehr eine Mitarbeit im Gemeindekontext unmöglich machen wie andere Sachverhalte, deren Definition einer aufwändigen theologischen Herleitung bedarf? Niemand käme jedoch auf die Idee, Übergewichtige oder Aufbrausende aus Mitarbeit und Leitung zu verbannen; auch nicht dann, wenn sie sich offen zu dieser Lebensweise bekennen.
Wir meinen, dass die Schrift uns hier zu einer transparenten und nachvollziehbaren Vorgehensweise verpflichtet. Sind die „Werke des Fleisches“ des Galaterbriefes gemeindezuchttechnisch nicht allesamt von gleicher Relevanz? Aufgrund welcher Erkenntnis erfolgt dann die Konzentration auf ein ausgewähltes Thema?
Wir halten es momentan nicht für nötig, diese Gedanken im Rahmen einer Gemeindestunde mit der Gesamtgemeinde zu teilen. Stattdessen richten wir uns mit ihnen an euch als Gemeindeleitung, um euch somit eine Rückmeldung „von unten“ hinsichtlich eurer theologischen Arbeit zu geben. Wir tun dies in der Hoffnung, hiermit für das Gemeindeleben relevante Impulse weiterzugeben und so im Rahmen unserer Möglichkeiten zur Auferbauung des Leibes beizutragen.
Für eure Beratungen und Gespräche wünschen wir euch weiterhin gutes, geistgeleitetes Gelingen.

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