Lied von einem, der sich noch nicht so gut auskennt

„Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin (außer wenn ich vorehelichen Geschlechtsverkehr habe, kritische Fragen stelle oder homosexuell bin, sagte man mir allerdings). Du hast gesagt, dass jeder konnen darf (du schon, hier unten haben sie das jedoch mit ein paar Einschränkungen versehen). Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann (aber meinen lieben Mitgeschwistern anscheinend). Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan (aber davon hat deine Bodenpersonal wohl noch nichts gehört?). Und weil du mein (berechtigtes) Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin (wenigstens einer), und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin (dann sind wir schon mal zu zweit).

Jesus, bei dir darf ich mich geben, wie ich bin (aber anscheinend nur bei dir, was denken deine Nachfolger sich eigentlich). Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir (bei den anderen lasse ich das lieber, bin ja nicht lebensmüde). Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt (die anderen inzwischen ebenfalls, jedenfalls meine Fassade, und das genügt ihnen scheinbar auch). Du siehst, was mich zu dir zieht, und auch, was mich von dir noch trennt (oh Gott, ich bin echt ein Arsch). Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin (und ausnahmsweise meine ich’s mal ernst), denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin (danach fahre ich dann lieber wieder die Schutzschilde hoch, sicher ist sicher, nimm’s mir nicht übel).

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin (klasse, dass die Arbeit des Verstellenmüssens wegfällt – leider immer nur dann, wenn wir zwei unter uns sind). Nimm fort, was mich und andere zerstört (da, die Schublade hier kommt auch auf den Sperrmüll). Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt (auf die ‚guten Hinweise‘ der anderen Frommen für mein Leben pfeife ich mal besser), der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt (ich kann nicht glauben, dass da nicht ‚Gemeinde‘ steht, denn denen will ich’s doch sonst immer recht machen). Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn (hätte ich mal besser gleich auf dich gehört). Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin (alles gefällt mir ja weiß Gott auch nicht).“
(Puh, das war richtig Arbeit.)

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Nils
    Apr 23, 2008 @ 10:25:58

    Hey Tom, nur mal als Feedback: Die Einträge seit dem 15.April sind wirklich lesenswert – auch wenn sie „richtig Arbeit“ sind … go on!

    Antwort

  2. Trackback: Unbedingt lesenswert! >>Lied von einem, der sich noch nicht so gut auskennt << Die Wahrheit ist untödlich. « Kreuz & Quer
  3. diewahrheitistuntoedlich
    Apr 23, 2008 @ 10:43:45

    Danke schön!
    Morgen ist der letzte Tag der Woche. Vielleicht gibt’s ja mal wieder eine, dann natürlich mit einem anderen Thema.
    Ab übermorgen also Neue Sachlichkeit…

    Antwort

  4. Daniela
    Apr 23, 2008 @ 14:38:03

    Kompliment Kompliment Herr Kollege! Echt abgefahren ***smile***! Die Wahrheit am Zopf gepackt – weiter so!

    Antwort

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