Ich&ich

Es ist immer dasselbe.
Es bin immer ich.
Irgendwie habe ich das Gefühl, mich selbst zu ermüden. Ich gehe mir auf den Geist.
Manchmal würde ich gerne Urlaub vom Ich machen. Nicht, dass wir uns missverstehen: Prinzipiell verstehen wir uns ja meistens recht gut – ich und ich. Aber ab und zu könnte ich mir aber eine kleine Auszeit schon ganz gut vorstellen. Alleine schon der Abwechslung wegen.
Nur – wie funktioniert das konkret (wenn wir den Einsatz körperfremder Substanzen einmal beiseite lassen)? Wo ist das Rezept für Selbstlosigkeit? Nein, kein netter Altruismus, nach dessen gelungener Ausführung das Ich sich um so stolzer auf die Schulter klopft.
Vielleicht ein Austauschprogramm. So etwas wie die bewährten Mitfahr – und Mitwohnzentralen. Aber was wird, wenn der Tauschpartner mit dem Ich unpfleglich umgeht? Wie mit einem Mietwagen?

Auch Städte können fallen

Heute vor 555 Jahren ging in Konstantinopel ein Stadttor zu Bruch.
Ein Jammer.

Klasse 9b von 1985

Findet mich jemand?

Dir doch egal

Die wohl tragischste Eigenschaft der Spezies Mensch ist ihre Gleichgültigkeit. Das fällt einem immer nur da auf, wo man hin und wieder selbst unter ihre Räder gerät.
Mal sitzt man am Steuer, mal liegt man am Boden. Die Verteilung selbst ist nicht immer gerecht, aber bei genauerer Betrachtung spielt das auch gar keine Rolle.
Nun sollte man denken, dass Schaden klug macht. Mitnichten. Juden killen Palästinenser, schwarze Südafrikaner ausländische Schwarze usw usw.
Das geht immer so weiter. Bis ans Ende der Welt, bis ans Ende der Zeit.
Egal.

Supersize it

Deutsche sind obrigkeitshörige Menschen. Wenn der Verhandlungsleiter einen Redebeitragenden zur Kürze ermahnt, wird der recht bald verstummen. So kenne ich es. Natürlich kann ich auch zetern, jammern oder mich rechtfertigen. Aber das ist mickrig. Also kuschen oder versagen?
Heute habe ich eine neue Alternative kennen gelernt: Einfach mit einem charmanten „Ich rede mal etwas länger“ die Sache klar machen.

Die Kunst des Kondolierens

Immer mal wieder widerfährt es einem: Da plaudert/telefoniert man nichtsahnend und hört plötzlich dieses „Mein Uropa ist gestern gestorben“ o.Ä.
Die ’normale‘ Reaktion: Peinlich berührt sein und Thema wechseln.
Darübe rhabe ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht, bis ich anlässlich des Todes meines Opas traurige Gelegenheit zu Selbstversuch hatte. Und ganz schön erstaunt war, dass selbst professionell im Kontext „Beerdigung“ arbeitende Fachkräfte ins Schwimmen geraten.
Ein einigermaßen sicher-mitfühlendes „Das tut mir aber leid“ hat nur einer von ca. 20-30 hinbekommen.
Wahrscheinlich bin ich selbst gar nicht besser.
Muss wohl daran liegen, dass das Programm „Ich tue nur das, was unbedingt nötig ist“ weiter verbreitet als das “ Ich bringe mein Herz ins Spiel und riskiere mal was, um echten Kontakt herzustellen bzw. zu riskieren“.
*Blogger schlägt sich an die Brust*

Ja was denn nun

Heute morgen im Waschsalon eine freundlich lächelnde alte Dame. Sobald sie sich wieder ihrer Wäsche zuwendet, schimpft sie laut los, als ob sie alleine wäre: “ Kacke! So eine verdammte Kacke! So ein Scheiß! Mistkacke!“
Ich drehe mich neugierig um. Sie lächelt mich an. Nach einer Minute wieder. „Ach Mist! So eine dreckige Scheiße, verdammt!“
Verwirrt verlasse ich den Ort des Geschehens. Verwirrt nicht über das Ungewöhnliche des Erlabnisses. ganz im Gegenteil. Mich erstaunt, dass ich diese Episode für normal halte. So ist es doch ständig.

Geizhirn

Mein Hirn ist wie ein schlecht sortiertes Kaufhaus. Die nötigen Utensilien sind grundsätzlich alle vorhanden. Aber wo und wie sie zu finden ist, das bleibt die Frage.
Da es Google nur digital gibt, helfe ich mir mit Assoziationsketten, An-Andere-Dinge-Denken und anderen Tricks auf Brigitte-Psychologie-Niveau. Für das Wiederauffinden verschütteter Erinnerungen ghibt es ganze Berufszweige, die mit Therapie, Analyse und Hypnose dahinter kommen.
Denn das Hirn (dieser Messy) speichtert ja wirklich alles. Es rückt aber eben nicht alles wieder raus.
Es hält mich eben für schutzbedürftig und macht auch nur seinen Job.
Aber wovor genau schützt es mich, wenn es mir ständig bei Begegnungen den Namen meines Gegenübers vorenthält? So schädlich kann der doch nun nicht sein.

Retro

Habe am Wochenende meine Schuhsohlen auf Münchens Straßen abgenutzt.
Neue Erkenntnisse aus einer altbekannten Stadt:
-Bayernfans nerven. Besonders, wenn sie nicht nur den Marienplatz selbst (Meisterschaftsfeier) hohl gröhlend okkupieren, sondern auch die gesamte Strecke zwischen Stadion und Stadtzentrum lahmlegen. Und das nur, weil da der bekloppte Mannschaftsbus lang fährt.
-München ist gar nicht so schickimicki, wie ich es in Erinnerung habe. Der Asifaktor ist in der Tat beruhigend hoch. Und Dialekt ist ja auch ein Zeichen eines niedrigen Sozialstatus.
-Man kann über die Stadt sagen, was man will, es gibt da ein paar ganz besondere Menschen.
-U-Bahnfahren ist cool.
-Komisch, dass man eine Stadt wie seine Westentasche kennen kann, ohne sie zu mögen.
-Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet im Jüdischen Zentrum die besten Postkarten finde, die mir seit langer Zeit vor die sensationslüsternen Augen gekommen sind.
-2009 komme ich wieder. Dienstlich.

Norbert VI: Nöckel Ich

Käsethekenbesatzungen, Verkäufer und Bedienungen Achtung: Norbert hat mir eine delikate Hausaufgabe gegeben: Aufmucken und Position beziehen.

Diagnose: Patient macht sich ständig Gedanken über die Erwartungen anderer Menschen – um sie dann entweder zu erfüllen oder abzuwehren. Glücklich macht ihn beides nicht.

Rezept: Den eigenen Willen behaupten und gegebenenfalls durchsetzen – auf charmante, aber deutliche Weise.

Zwischenfazit: In manchen Lebensbereichen und Situationen klappt das ganz vorzüglich. In anderen so gut wie überhaupt nicht.

Zum Glück habe ich bis zum nächsten Termin noch fünf Wochen Zeit. Das wird nämlich ein ganz schöner Brocken.

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