Jesus Khan

Während der Predigt heute dazu ermutigt, die Augen zu schließen und eine Phantasiereise zu wagen, ließ ich’s geschehen.
Man solle sich eine Lichtgestalt vorstellen, die den Gottesdienstraum betritt.
Es gibt ja auch Schwarzlicht, dachte ich mir, und schwupps! hatte das Unbewusste (die Sau) mir einen prächtigen Mongolenkrieger zu Pferde hingemalt, morgensternbewaffnet und alles in Schwarz.
Als von der Kanzel ein „Das ist jetzt Jesus“ erscholl, war es eben so. Die Phantasiereise ging weiter.
Mongolenjesus stieg ächzend von seinem Pferd, watschelte auf seinen viel zu kurzen O-Beinen durch die Sitzreihe, stieß ein paar Omas an und nahm neben mir Platz. Da er schon lange nicht mehr gebadet hatte und Körperpflege sowieso nicht sein Ding war, müffelte er ordentlich. Bei so einem Wetter sind Tierfellwesten auch wirklich unpraktisch. Während er mit der Rechten an der rasselnden Morgensternkette herumspielte, legte er mir die haarige Linke brüderlich um die Schulter. Sagt Jesus etwas, das ihr schon lange einmal mit ihm besprechen wolltet, soufflierte der Pastor, und schon waren Mongo-Christus und ich im ernsthaften Gespräch vertieft. Er war richtig klasse, ein tolles Gefühl, und so spürte ich ehrlichen Abschiedsschmerz, als er sich schließlich umständlich von seinem Stuhl erhob und geschickt in den Sattel schwang.
Jesus ist eben immer für eine Überraschung gut. Und mein Jesusbild um eine markante Nuance reicher.

Supervision oder Coaching?

Die Frage, was denn nun der Unterschied ist, lässt sich gar nicht so leicht beantworten.
Nun, mein Ausbildungsleiter hatte eine dolle Erklärung: „Das ist dasselbe wie bei Heiler und Arzt. Coach darf sich jeder nennen. Supervisor ist ein geschützter Titel.“
Nun ja. Mir genügte das nicht.
Also fleißig recherchiert und Folgendes gefunden:

Coaching fördert die Funktionsfähigkeit, Supervision diejenige der Person. Supervision strebt Veränderung unterer hierarchischer Ebenen an (Bottom Up), während Coaching Veränderung von der Spitze ausgehend intendiert (Top Down).
Supervision: Längere Dauer des Prozesses (mind. 10 Einheiten), Kontinuität (z.B. monatlich), vorwiegendes Arbeiten mit Fragetechniken. Coaching: punktuell auf ein bestimmtes Anliegen bezogen. Der Coach benötigt Fachkenntnisse im Arbeitsbereich des Klienten, der Supervisor nicht unbedingt.

Die Hilfe zur Selbsthilfe ist bei beiden Beratungsformen ein wesentliches Prinzip.

Diesmal keine Türken vor Wien

Es war wie damals vor Troja: Während die mickrigen Menschen aufeinander einprügeln, machen die Götter im Himmel die Sache unter sich aus.
Oder wie darf ich die Sache mit dem Blitzeinschlag in der Wiener Medienzentrale deuten?
Zu gerne hätte ich für die Minuten des Bildausfalls eine Liveschalte zu der tobenden halben Million Berliner (darf man das noch sagen? Berlinenden?) auf der Fanmeile gehabt.
Und die Jungs mal wieder. Schießen ihre Tore aus reinem Trotz. Sind eben noch Kinder. Merkt man ja auch bei den Interviews.
Die für mich sowieso das Spannendste am Spiel waren. Löw und Ballack meiden jeglichen Augenkontakt, Poldi dielektet krasser als jeder Comedian, der ihn zu imitieren versucht, und Lahm ist immer noch im Stimmbruch.
Überhaupt bin ich inzwischen mehr mit der Frage beschäftigt, welcher den Jungs denn nun schwul ist, als mit den Spielen selbst. Und warum Angie die Siegesfäuste immer nur bis zur halben Höhe reckt. Kann die sich fürs Stadion nicht mal ein elastischeres Spezialkostüm schneidern lassen?
Egal. Zuerst wird jetzt mal wieder in Wien einmarschiert. Liedvorschlag: ’38, 2008…

Unter Ökos

Was gäbe ich dafür, wenn es mir gelänge, diesen Bericht 100% spottfrei zu verfassen. Aber das ist mir nicht geschenkt.
Durch ein schlechtes Klimagewissen, die Sorge um meinen genetischen ökologischen Fußabdruck und die allgemeine Lust am ethischen Rigorismus genötigt, betrat ich heute eine Art Ökosupermarkt, den ich schon seit Monaten kritisch beäuge.
Und schon war ich in einer anderen Welt. Öko-Pizzaboden (Vollkorn und weiß), Öko-Nutelladerivate, Dinkel-Schokokekse usw. Lauter Dinge, die ich im wirklichen Leben komplett ausblende. Fremd. Sehr fremd. Aber richtig. Denn dass ich schinkenfressender, immerzweifrühstückseiervertilgender, stetsnurnachdengrößtenverpackungeschielender Fastfood-Normalo es ganz, ganz falsch mache, das muss mir niemand sagen. Ich habe Mutter Erde auf dem Gewissen.
Aber mal ernsthaft – getrockneter Seetang? Wer isst Dinge, die in der Schiffsschraube hängen bleiben?
Ich hab’s echt versucht. Für eine Handvoll vertrocknet aussehendes Zeug, das ich beinahe mitleidvoll in die scharfkantige Recyclingpapiertüte packte, so viel ausgegeben wie bei Aldi für einen Einkaufswagen saftiger, wohlschmeckender Leckereien.
Hier sitze ich nun und belehre meine tiefbeleidigten Geschmacksknospen darüber, dass diese Ingwer-Honig-Fruchtschnitte, die nach in Flugbenzin eingelagerter Kotze schmeckt, unser Beitrag zur Rettung der Welt ist.
Aber das beeindruckt sie nicht.

Norbert VII

Je mehr es bei diesen Supervisionsgesprächen ans Eingemachte geht, desto mehr stellt sich zwangsläufig die Frage, was das denn noch mit Arbeit und Beruf zu tun hat. Denn das Berufsleben hat (wie der Name schon sagt) professionell zu sein: Rational, unpersönlich, emotionslos.
Oder täusche ich mich da?
Anscheinend schon, denn Norbert thematisiert so Ungeheuerliches wie Ängste, Gefühle, Prägungen.
So seltsam das klingt: Je mehr die Sache voran geht, desto mehr frage ich mich, ob das denn noch Supervision oder doch schon Therapie ist.
Aber das lässt sich im kleine Grezverkehr des innerpersönlichen Dialogs klären:
Alter Ego: „Bringt dir die Supervision etwas für deinen Beruf?“
Ich: „Ja. Eine ganze Menge. Auf die Dauer jedenfalls.“
Alter Ego: „Tschuldigung, aber wo ist denn nun das Problem?“

Aber back to Norbert: Der/das geht unter die Haut. Darum nebele ich hier so. Da werden richtig alte Brocken angegangen. Aber nicht auf die nette Tour. „So, du hast da also diese Angst. Wozu hältst du dir die noch? Was versprichst du dir davon, die zu kultivieren?“
Mann, was habe ich wieder geschwitzt.

Intraview

Alter Ego: Wieso bloggst du eigentlich?
Ich: Kann nicht anders. Das muss raus. Sonst werde ich krank noch kranker.
Alter Ego: Und warum öffentlich im Internet? Das ist doch peinlich.
Ich: Vielleicht gerade deshalb – um meine Peinlichkeitsresistenz auszubauen. Eigentlich aber, weil ich irrationalerweise darauf hoffe, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die mit meinen Absonderungen etwas anfangen können. Und gar darauf reagieren. Kommentieren. Interagieren.
Alter Ego: Und, klappt das?
Ich: Anfangs schon, und immer mal wieder. Aber momentan ist eher Funkstille.
Alter Ego: Was glaubst du, woher das kommt?
Ich: Schwer zu sagen. Vielleicht Gewohnheit. Mit meinen Endabnehmern und mir ist es vielleicht wie mit einem alten Ehepaar, das irgendwann glaubt, alles übereinander zu wissen und gemeinsam vor dem Bildschirm wegdämmert.
Alter Ego: Hast du so etwas wie einen Masterplan, oder schreibst du einfach wild drauflos?
Ich: Das Wilddrauflosschreiben ist Teil des Masterplans. Manchmal glaube ich, mein Blog kennt mich besser als ich selbst. Da steckt recht viel von mir drin, und so bin ich eben – eine Ansammlung von Assoziationsketten, die nichts Böses will.
Alter Ego: Was dürfen wir in der nächsten Zeit von dir erwarten?
Ich: Das kann man nie wissen. Gerade ist mal wieder eher so eine dumpfe Brütphase, in der ich mir selber auf den Sack gehe. Da wird dann das Fundament für zukünftige Unternehmungen gegossen. Auch Blogs haben einen Biorhythmus.
Alter Ego: Wir bedanken uns für das Gespräch.
Ich: Schönen Gruß zuhause.

Gnade für Sharky

Heute Nacht aus dem Schlaf aufgeschreckt worden: Rüttelnde Dachziegel, hartprasselnder Hagel, ca. alle 1-2 Sekunden (sic!) Blitz. Das Programm hielt für ca. 15 Minuten an.
War mir gleich klar, dass das nicht ohne Schäden abgeht und evtl. auch Sharky was abbekommt. Andererseits war ich so müde, dass ich mich mit einem „Kann ich mir auch noch morgen ansehen) in den Schlaf rettete.

War schon doll. Ein paar Dachziegel lagen im Garten, und der Baum hatte ein paar nicht ganz kleine Äste lassen müssen. Sharky sah aus wie zum Natomanöver gekleidet, aber sonst noch alles dran.
Spannend wurde es erst, als ich die Burgauffahrt herunterfuhr und nach rechts sah (vgl. Foto). Da hat einer der Myriaden von Blitzen wohl den Baum zerfetzt.
Beinahe hätte Schweinsberg seinen einzigen Alfa verloren, denn an dieser Stelle habe ich in der Vergangenheit durchaus auch hin und wieder mal geparkt.
Irgendwas ist ja immer.

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