Die Handschrift meines Dozenten

Hatte ich schon erwähnt, dass meine Ausbildung wirklich sehr solide ist und nach neuesten Ergebnissen psychoanalytischer Forschung zusammengestellt wurde?
P.S.: Die Idee, sich solcherart der analen Phase anzunähern, war nicht von mir. Wirklich nicht.

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Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren

Gerade wird mir klar, dass meine heutige Predigt recht gut zum 20. Juli passt. Denn genau das war der Grund, weshalb Stauffenberg es verkackt hatte: Er wollte nicht sterben.
Verständlicherweise. Nicht zuletzt hatte er Frau und Familie.
Gestorben ist er auch so. Die schwangere Frau kam ins KZ.
Wäre er bis zur Explosion im Führerbunker geblieben, wäre der Aktenkoffer nicht zur Seite gestellt worden, Adolf hätte man danach von der Decke kratzen können.
Der Krieg hätte 9 Monate früher geendet. Dresden und viele andere Städte wären niemals bombadiert worden. Schätzungsweise 3-4 Millionen weniger ermordete Juden, 25 Millionen weniger Kriegstote. Kein Hiroshima, kein Nagasaki.
Das wäre doch wohl das Opfer wert gewesen.
Aber leicht gesagt…

So ist der Himmel


Quelle: Strangemaps

„Den Menschen kümmert nicht, was wirklich achtenswert ist, sondern das, was geachtet wird“

Diese Erkenntnis haut Henry David Thoreau in seinem Buch „Walden. Ein Leben mit der Natur“ mal eben so ganz beiläufig raus.
Thoreau finde ich spannend, seit ich vor der Frage stand, ob ich totalverweigern (und damit meinem Gewissen folgen und in den Knast gehen) sollte oder Zivildienst absolvieren. Daneben spielte ich zeitweise mit dem Gedanken, mich für 12 Jahre zu verpflichten, um Militärgeschichte zu studieren. So sind sie, die Adoleszenten. Hauptsache spektakulär.
Aber ich schweife ab.
Thoreau wird oft genannt, aber selten gelesen. Er war radikaler Öko und Pazifist und seiner Zeit weit voraus. Sein Ansinnen, möglichst unaufwändig zu leben (heutzutage würde man sagen: mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck) trieb ihn zwei Jahre lang in eine selbstgebaute Waldhütte. Gandhi und MLK zählten ihn zu ihren Vorbildern.
Sein Buch besitze ich schon so lange, dass es bereits vergilbt ist. Nun ist es Zeit, es aufzuschlagen.

CatCam Marek I

Endlich angekommen: Die CatCam.
Marek war der erste Proband.
Vorbemerkung: Bilder, bei denen die Katzen ahnungslosen Omas unter die Röcke schielen und ähnlich kompromittierendes Material werden natürlich nicht veröffentlicht. Aber bisher ist alles brav.
Guckstu:

Predigtnot

Ich predige wirklich gerne. Aber ich hasse es auch wie die Pest. Wenn Ambivalenz, dann hier.
Ist das völlige Banalität, die ich da gerade wutentbrannt in die Tastatur einhacke, totale Psychogrütze – oder der große, erlösende, revolutionäre Entwurf, auf den die Menschheit nur gewartet hat?
Ein schmaler Grat, und irgendwie eine lustvoll-schmerzhafte Sache. Das mache ich jetzt schon so lange, aber das Phänomen habe ich nicht auch nur ansatzweise begriffen.
Wie habe ich es damals in München nur seelisch verkraftet, wirklich jede Woche so einen Prozess zu durchleiden, eine hübsch verpackte 25-Minuten-Portion, frisch abgesondert, unter die Leute zu bringen, ohne dabei komplett den Verstand zu verlieren?
Zeit und Arbeit sind nicht das Problem. Aber diese Relevanzzweifel. Die Ungewissheit, die damit einher geht, etwas frisch Erdachtes und Erfühltes dem brüllenden Tageslicht der Öffentlichkeit auszusetzen, obwohl die Nabelschnur noch gar nicht richtig durchtrennt ist.
Das schlaucht schon.
Aber geil.

Der Russe steht am Rhein

So beliebte die Generation meines Großvaters sich auszudrücken. Einer für alle.
Überhaupt brauchte ich Jahre, um zu begreifen, dass die da im Osten menschliche Wesen warten. Fellmütze mit rotem Stern, MG in der Hand, hinter einen Panzer geduckt im Vormarsch auf den freien Westen, anders konnte ich sie mir gar nicht vorstellen.
In der Oberstufe nahmen wir dann Stings Lied „I hope the Russians love their children too“ durch. Und, so blöd es klingt – bei mir klingelte es. Stimmt, müssten sie ja eigentlich. Dann können sie ja gar nicht so übel sein. Hey, am Ende sind das noch richtige Menschen.
Was habe ich mir nicht immer einen Spaß draus gemacht, bei meinen DDR-Besuchen das Zwangsumtauschgeld in Bücher wie „Die zunehmende Verelendung der Arbeiterklasse in der BRD“, DDR-Verfassungen und Schallplatten mit dem „Großen Zapfenstreich der NVA“ anzulegen. Und mich über die Propaganda amüsiert.
Am Ende war ich genauso indoktriniert. Man ist eben immer erst hinterher schlauer.

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