Von ganz außen direkt ins Zentrum

Heute wurde mir eine Frage gestellt, auf die ich keine Antwort hatte. Die Replik „Beides“ wurde als inakzeptabel abgelehnt:

„Ist es dein Job,
1. superprofessionelle Angebote zu machen
oder
2. Ehrenamtliche zu befähigen, gute Angebote zu machen?“

Genug introspiziert

Es fing so schön an.
Gutgelaunt zur Supervisionsausbildung gefahren. Jedermann und -frau herzlich begrüßt, mit Lächeln nicht gespart, intensiv smallgetalkt.
Und dann wird mal wieder deutlich, dass die Ausbildungsleiterin mich irgendwie auf dem Kieker zu haben scheint. Bei der Gesprechung einer Lehranalyse fällt mir sie bei jedem ersten Satz ins Wort und bügelt alles, was ich sagen konnte (viel Raum dazu lässt sie mir nicht), gnadenlos nieder. Komischerweise kommt sie damit durch, die Gruppe wirkt geschockt, Einzelne machen mit, rudern danach wieder zurück, wirken verwirrt.
Komische Situation. Sollte ich mit meinen Beobachtungen und Statements so völlig daneben liegen, wie sie es mich glauben machen will? Und wieso stürzt sie sich auf jedes Wort, dass ich von mir gebe?
Den Mund halten ist auch nicht recht, das wird dann natürlich thematisiert. „Kommen sie zurück.“ Ja was denn nun – reden oder schweigen, beides ist nicht recht.
Wer hat hier eigentlich das Problem?
Hm, das scheint es noch so einigen Lernstoff zu geben.

Harte Fakten

Die Welt ist total scharf

„Scharf!“ war auch die Bemerkung der freundlichen Fielmann-Angestellten. Allerdings meinte sie die Brille. Mist, dabei kann ich alter Mann doch jede Bestätigung gut gebrauchen.
Festzuhalten ist: Die Welt ist schärfer, klarer, beeindruckender. Autobahnhinweisschilder, Supermarktregale, Regentropfen auf der Windschutzscheibe. Jeder neue Eindruck ein kleines Wunder. Unglaublich.
Die Platitüde „Die Welt durch eine andere Brille betrachten“ gewinnt an Kontur.
Trotzdem macht es (noch) leicht döschig, etwas auf der Nase sitzen zu haben, unter den Gläsern hindurch auf die Tastatur zu schielen (denn in der Nähe verschwimmt’s dann doch) und so komische Ränder im Sichtfeld zu haben.
Auch wenn der erste Brillentag schon irgendwie anstrengend war, stellte ich abendes im Bett erstaunt fest, dass die Augen nicht müde waren, wie ich’s sonst kenne. Dolle Sache.
Und allgemein ist man der Meinung, nun wirke ich noch intellektueller und seriöser.
Wichtig für das nächste Bewerbungsgespräch…

Alexander II

Lange ist’s her…
Fand mein Lehrsupervisor wohl auch. Deshalb bat er mich zum Gespräch, im Laufe dessen es nicht zuletzt um die Frage ging, weshalb ich mich scheute, ihm ohne erfolgreich akquiriertem Supervisanden unter die Augen zu treten.
Alexander ist ganz anders als Norbert (schnüff), und es wird mich sicher einige Zeit kosten, den Wechsel zu realisieren. Wo Norbert auf Verhaltensmodifikation drängte, will Alexander besser verstehen – wobei er zu echt dollen Ergebnissen kommt. Da präsentiere ich ihm stolz mein Supervisionsmotto „Verstehen – bedenken – bewegen“, und er dreht munter den Spieß um: „ja, dann handeln sie doch mal in den kommenden Wochen nach ihrem Motto und gehen auf Kundenfang.
Jaja.
Andererseits hat er eine trocken-sachliche Art der Wertschätzung. Präsentiere ich ihm einen dollen Gedankengang, ernte ich von ihm ein äußerlich unbewegtes „Das ist bestechend prägnant“. Meinen Flyer findet er „Äußerst beeindruckend“. Aber bei all dem wird deutlich, dass er sich nicht einlullen lässt. Der Kerl bleibt in vorbildlicher Weise abstinent und objektiv.
Verdammt.
Noch 44 Sitzungen.

Norbert X

Heute letzte Norbertdosis.
Wir vertrieben uns die Zeit mit der Auflistung aller Werke, Personen und gemeindeähnlichen Gebilde, die ich aufgrund ihrer erwiesenen Dummheit und Primitivität verachte, über deren statistischen Erfolg ich mich gleichzeitig aber maßlos aufrege (die würdet ihr wohl gerne sehen, hm?).
Natürlich sagte das am Ende wieder ganz doll viel übe rmich aus, v.a. über meine Unfähigkeiten, mit meinem Normalen, Negativen, Triebhaften umzugehen. Naja.
Egal. Trotzdem: Alles Schweine.

Darf ein Pastor glücklich sein? Er sollte!

Manchmal klappt einfach alles. Und auch damit muss man erst einmal zurecht kommen. Dran gewöhnen lohnt allerdings nicht, denn morgen ist schon wieder alles völlig anders.
Fazit: Mit tollen, inspirierten Menschen reden, planen, diskutieren ist einfach wunderbar und durch nix zu ersetzen.

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