Neue Heimat

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Ausgeglichenheit, innere

Manchmal habe ich den Eindruck, dass zum Glücklichsein wirklich alles fehlt. Manchmal aber auch nicht.
Was den Unterschied ausmacht, oh ja, darüber habe ich schon viel nachgesonnen, aber es will mir nicht einfallen. Irgendwelche Synapsen oder biochemischen Konstellationen, die mir auf ewig verborgen bleiben mögen.
Manchmal bin ich im schlimmsten Durcheinander das ruhende Auge im Sturm. Manchmal haut mich ein laues Lüftchen um.
In Zeiten bitterster Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit konnte der Anblick eines von der Morgensonne beschienenen Gebäudes mir Freudentränen über die Backen laufen lassen, Glück bis zum Platzen. In Situationen größter Sicherheit und völlig neuer, berauschender Situationen habe ich mich bereits so leer und trostlos gefühlt, dass ich am liebsten aus dem Fenster gesprungen wäre.
Mit Zusammenreißen und Selbstmotivation hat das alles nichts zu tun.
Glück und Ausgeglichenheit, das ist wohl ein Geschenk. Eins, das angenommen werden will. Aber eben auch kein beliebig verfügbares.
Im Moment ist es da. Sicher nicht für immer, aber das ist egal. Denn der Moment ist die einzige Ewigkeit, von der ich wissen kann.

Kunstloses Brot

Kann ich denn wirklich nur Buchstaben?
Immer wieder fällt mir auf, wie sehr ich mich auf mein Kerngeschäft konzentriere: Wenn ich beim Rasenmähen alles krumm und schief mache, beim Treppensteigen aus der Puste gerate, urlaubsgelegentliche Mal- und Zeichenversuche im Regal verstauben lasse, auf die Aufforderung „Sing den Liedanfang doch mal vor“ in Panik gerate…
Ist es denn wirklich mein freier Wille, mich in handwerklich-künstlerischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Aneinanderreihen der Zeichen von A bis Z zu konzentrieren?

Da habe ich gerade etwas formuliert von wegen „Schwächen stehenlassen und Stärken fördern“.
Hm, Schwächen „stehen lassen“ und stehen lassen, das sind ja nun doch zwei verschiedene Dinge.
Mal sehen.

Rumprollen Deluxe

Heute beim Shaketrinken, Stehtisch McDoof.
(Auftritt einer Handvoll ortsansässiger Halbstarker)
Die: „Alta, geiles Handy haste da!“
Ich: „Ich sach euch.“
Die: „Full krass, das kannste ausziehn mit Tastatua?“
Ich: „Und so hochklappen.“ (Klappe Display hoch, stolz). „Das kann kein IPhone.“
Die: „Alta, das issn IPhone?“
Ich: „Quack, so wat kommt mir nich ins Haus.“
Die: „Wat, ’n Tatschskrin? Voll blöt. Der geht sofoat kaputt, ey.“
Ich: „Nix da. Hab ’ne Folie drauf. Da geht ganix kaputt.“
Die: „Ne Folie?“
Ich: „Aufm Tatschskrin.“
Die: „Ne Folie aufm Tatschskrin? Apgefahn.“
Ich: „Das macht man so.“
Die: „Das Ding pestimt teua.“
Ich: „Wie Sau. Aber hat sich gelohnt.“
Die „Dat Ding is ja wien kleiner Laptop.“
Ich „Absolut. Hey, da komm eure Pommes. Machts mal gut. Ich muss hier nochn büschen Twittan.“
Die: „Tschühüss!“

Aus einem (nicht baptistischen!!!) Gemeindeprofil

„Der leitende Pastor nimmt die Gesamtverantwortung für die Gemeinde wahr. Er wird bei seiner Aufgabe von den Gemeindeältesten unterstützt. Dabei handelt es sich um Männer und Frauen, die er nach Beratung mit Christen der Gemeinde für die Dauer von vier Jahren in dieses Amt beruft. Zusammen mit dem leitenden Pastor bilden sie die Gemeindeleitung. Entscheidungen des Gemeindelebens trifft der leitende Pastor, soweit irgend möglich, einmütig mit den Ältesten.“

„Im Gehorsam gegen Gottes Wort verpflichten sich die Mitglieder,
* das Leben der Gemeinde mitzugestalten, indem sie regelmäßig an den Gottesdiensten teilnehmen und verbindlich in einem Hauskreis oder einer ähnlichen Gruppe mitleben,
* die Dienste der Gemeinde mitzutragen, indem sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten Gaben, Fähigkeiten und finanzielle Mittel, die Gott ihnen gegeben hat, in die Gemeinde einbringen (bezüglich der Finanzen orientieren wir uns am biblischen “Zehnten”),
* die Einheit der Gemeinde zu schützen, indem sie gegenüber anderen Mitgliedern in Liebe handeln und bei Konflikten das Gespräch miteinander suchen, anstatt negativ übereinander zu reden.

Die Mitgliedschaft erlischt, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind oder ein Mitglied trotz wiederholter Belehrung und Ermahnung an Irrlehre oder offensichtlicher Sünde festhält. Vorher wird jedoch nach Möglichkeit das seelsorgerliche Gespräch gesucht.“

Link

Wolke

wordle

Der Missionsbefehl – Predigt einer Bundestagsvizepräsidentin

Katrin Goering-Eckardt

Selbstverständlich?

Ab sofort halte ich mich nur noch an Gemeinden, für die die die Menschenrechte nicht verhandelbare Basis sind und die sie auch praktizieren.
Man sollte denken, das sei selbstverständlich. Ist es aber nicht.

Die beschissenen alten Zeiten?

Im Rahmen einer großangelegten Entrümpelungsaktion stieß ich heute auf einen Order voll alter GL-Protokolle, Klausurmitschriften, Briefe und Zeitungsausschnitte. Erinnerungen an meine erste Gemeindestelle.
Reflexartig warf ich das Teil in den Mülleimer. Schließlich war das alles ja nicht so prall gewesen, Kollegen und Vorgesetzte hatten mir ziemlich übel mitgespielt und mir letztendlich erfolgreich eingeredet, ich habe keinen besonders guten Job gemacht, trotz Hamster-im-Laufrad-Effekt. Das ist es, was mir erst einmal einfällt, wann auch immer ich an diese fünf Jahre zurückdenke.
Lese ich diese alten Erinnerungsstücke, dann entsteht jedoch plötzlich ein ganz anderes Bild: Bestnoten beim Feedback der GL-Mitglieder; wohlwollende Randnotizen bei der Fremdbeurteilung anlässlich eines Gabentests; nette Karten, Zeitungsartikel, Dankesbriefe, anonyme Feedbackbögen.
Aber auch fiese Kollegenmails, böse Post querschießender Gemeindemitglieder, verlogene Komplimente taktierender Gegner.
Plötzlich wird mir ganz warm. So schrecklich war das alles gar nicht. Und die Konzepte und Gesprächsprotokolle, die ich da von mir finden, sind auch ganz anders, als ich dachte. Anscheinend war ich gar nicht der besserwisserische, altkluge Ehrgeizling, als der ich mich in Erinnerung hatte. Auch damals schon war mir oft nach bottom up zumute, wenn auch etwas ungeduldiger und unbeholfener als heute.
Hätte ich auf die paar Leute gehört, die mich damals in Grund und Boden kritisierten, die mich mit meinen Selbstzweifeln im Kern trafen, meine Motivation chronisch unterhöhlten, dann hätte ich jedem geistlichen Beruf für alle Zeiten fern bleiben müssen. Letztendlich war es die Basis der Gemeinde und ihr liebevolles, aufbauendes Feedback sowie die darauffolgenden wunderbaren Erfahrungen in einer zauberhaften Gemeinde, die mir ein zaghaftes Comeback ermöglichten.
Fazit: Niemand ist perfekt. Aber ebenso ist niemand ein Volltrottel. Und: Manchmal waren die alten Zeiten ganz ok. Trotz prägender, schlechter Erinnerungen.

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