Magen Bitter

Gestern Nacht ging’s mir gar nicht gut. Fiese Kopfschmerzen, fiese Magenschmerzen. Pillen halfen nicht, also Plan B: Finger an’s Zäpfchen.
Es kam etwas. Etwas, das in Anbetungsliedern recht häufig vorkommt, in meiner Kloschüssel bisher eher selten: Blut. Nicht zu knapp.
Das war eine gewisse Überraschung. Wikipedia lieferte ein paar spannende Alternativen von Leberzirrhose bis Magenkrebs. Zwei Stunden hielt ich mich mit meinen sorgenvollen Gedanken noch im Bett auf, dann ging’s in die Uniklinik.
Dort waren es sechs Stunden Warten, Blutabnehmen, Infusion, Röntgen, bis der unschlagbare Höhepunkt kam: „Wir würden dann gerne noch eine Magenspiegelung machen.“ Davon hat man schon viel gehört. Nun galt’s also. In Aussicht gestellt wurden eine Scheißegalpille, einmal Bewusstsein wegschießen, zwei Stunden liegen und den ganzen Tag lang tot in der Ecke hängen.
Ich bin kein mutiger Mensch, aber manchmal packt’s mich. „Ich würde gerne zusehen“, verkündete ich lächelnd. Stirnrunzeln. „Klar, können wir machen. Wenn’s nicht gut geht, können wir ihnen immer was geben. Zugang liegt ja schon.“
Junger Hund, das war tatsächlich Sport. Zusehen war sehr schnell uninteressant. Beißkeil in den Mund – und ein paar Meter Glasfiber. Das „Jetzt ist das Schlimmste überstanden“, das der Arzt mir nach einem halben Meter zumurmelte, war glatt gelogen. Wildes Gewürge, Gejapse, Gesabbere, während Onkel Doktor in meinen Innerreien herumfuhrwerkte wie ein Gaswasserscheißeinstallateur in einer verstopften Abwasserleitung. Irgendwie hatte ich dann auch gar kein Interesse mehr am Aussehen meines Zwölffingerdarms.
Danach meinte der wohlmeinende Doktor gutgelaunt: „Sie haben sich aber gut gehalten. Das war eine gute Vorbereitung auf die Flitterwochen.“ Er dachte wohl eher an meine stoische Geduld, ich selbst war jedoch immer noch auf den fetten Schlauch fixiert. So gurgelte ich grinsend mit lidocainschwerer Zunge, während mir blutiger Sabber aus dem Mundwinkel troff: „Zu einer Frau sollten sie so etwas aber besser nicht sagen.“
Seine Rache war gnadenlos: „Kein Kaffee, keine Schokolade, kein Nikotin, kein Alkohol, nichts Scharfes, nichts Fettiges, keine Mahlzeiten nach 18 Uhr.“
Touché.

Sumis erste Fledermaus

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Mittendrin statt nur dabei

Scheiß auf die Angst, die hat ja selber Angst; und meistens gar nicht Recht mit ihren nur aus der Ferne einschüchternden Hypothesen und Szenarien.
Aus der Nähe muss ich über sie lachen.