Kinderteil

childfriendly
(c) ASBO Jesus

Advertisements

Warum das Bloggen stockt

Türkei II: Die Tour

CIMG3960
Irgendwann war dann auch mal gut mit All Inclusive. Also Mietwagen gebucht, Stoßgebet in den Himmel geschickt und ab in den tütkischen Straßenverkehr.
So schlimm war es ga rnicht. Nur der Straßenbelag ist in Anatolien irgendwie etwas lauter – so hoch kann man das Radio gar nicht drehen. Ab und zu querten Ziegen, Türkenomis oder Männer mit Riesenschubkarren den Weg – natürlich ohne nach rechts oder links zu blicken. Die Straßen sind durchaus gewöhnungsbedürftig, vor allem die Nebenstrecken. Auch die allersteilsten Abgründe werden nicht von Leitplanken begrenzt, vorfahrtsregelungen sind nicht überall vorhanden, und Schlaglöcher der größeren Art werden gerne einmal mit Holzstangen markiert.
Wir kamen nach Kekowa, einem malerischen Küstendorf – leider total von Tourijägern verseucht. Die bettelnden Verkäufer, selbsternannten Guides und ihre Ausflugsbote anpreisenden Kapitäne hinter uns lassend fanden wir schließlich ein nettes Bötchen, das von einem sympathischen jungen Pärchen betrieben wurde. Zusammen mit einer Handvoll Engländer machten wir uns auf eine zweistündige Tour vorbei an malerischen inseln, versunkenen Städten und heruntergekommenen Fischerdörfern. Schließlich gab es nuch einen Badeaufenthalt in einer wunderbaren Bucht.
Manchmal lohnt es sich, die üblichen Pfade zu verlassen. Dieser eine Tag war bei weitem eindrücklicher und angenehmer als die gesamte All-Inclusive-Woche.

Türkei III: Mit Schuss

All Inclusive – nie wieder!!! Auch nicht mit fünf Sternen (Landeskategorie).
Immerhin bekommt man den Hotelnamen nicht auf den Unterarm eintätowiert. Stattdessen tut’s ein hellrosa Armband, das sich jedoch nach ein paar Dehnübungen abstreifen lässt – wäre ja auch sonst bei Außenterminen zu peinlich.
Den Schuss gibt’s ungefragt zu wirklich jedem Getränk dazu – wenn man nicht umgehend abwehrend die Arme hebt und empört „Ich bin kein Russe!“ ruft. Schlussendlich erklärte ich einfach, in Deutschland sei Alkohol verboten – was der Strandbarthekenchef mit einem trockenen „Im Iran auch“ beantwortete. Der Kerl war sowieso lustig. Wirklich jedesmal, wenn ich mir eine Cola abholte, meinte er grinsend: „Du aus Deutschland?“ Erst als ich kategorisch mit „Du aus Türkei?“ antwortete, wechselte er widerwillig den Einstiegsgag.
Anders als der Alleinunterhalter, den gab’s nämlich auch nur mit Schuss. Tagsüber kontaminierte er den Strand mit Kaltakquiseschreiereien wie „Boccia! Extremsport!“ Das Tontaubenschießen hatte einen besonders einprägsamen Werbetext: „Bazooka! Kalaschnikow! Terrorista!“ Mehr oder weniger mit vorgehaltener Waffe gelang es ihm regelmäßig, ein Dutzend alkoholvergifteter Russen und den einen oder anderen Thüringer, der wohl seit ziemlich genau 20 Jahren nicht mehr auf bewegliche Ziele geschossen hatte, für seine terrorcampähnlichen Übungen zu rekrutieren.
Ansonsten gab es nachts Disco (weder Ohropax noch Fernseher auf Maximallautstärke brachten da Linderung) sowie tagsüber diverse Speisen, die zwar einigermaßen gut aussahen, aber tendenziell alle miteinander schmeckten wie Oma unterm Arm.
Fazit: All Inclusive , das sind lange Phasen unerträglicher Ödnis, durchzogen von kurzen Phasen extremen Terrors.
Nun bin ich wohl endgültig zum radikalen Individualtourismus bekehrt.

Türkei IV: Hin und beinahe nicht mehr zurück

Was Star Wars kann, kann ich schon lange: Dieser Reisebereicht arbeitet sich von hinten nach vorne vor.
Am Ende war der Flug. Obwohl wir beinahe da geblieben wären.
Das kam so: Ein ortsansässiger Busfahrer holte uns am Allinclusivehotel (dazu später mehr) ab und winkte uns wortlos ins Businnere. Nach einer mehr als halswirbelbrecherischen Fahrt durch die Innereien von Antalya lieferte er uns – ebenfalls kommentarlos – am ortseigenen Flughafen ab. Wir tobten in den Terminal und stellten uns brav an einer elendslangen Schlange an. Ok, Fluggesellschaft und Abflugsuhrzeit differierten etwas von dem,w as auf unseren Vouchern stand, aber es war nun einmal der einzige Flug nach Ffm, und diese Billigflieger machen bekanntlich ja auch gerne mal die finanzielle Grätsche. 15 leicht verunsicherte Berge-und-Meer-Endkunden vertrieben sich die Stunde Wartezeit mit dummen Sprüchen und Unkereien. Alternativen gab es ja nicht, eine Infoschalter oder Vergleichbares schon gar nicht.
Als dann der Erste unserer Gruppe dran war, war das Palaver groß: Unser Flug ging irgendwo anders ab, definitiv jedoch nicht hier. Wir schnappten etwas von einem „anderen Terminal“ auf. Nujn wurde es hektisch. Ab an den Taxistand, wo sich die Gruppe um den stark limitierten Bestand an mietbaren Fahrzeugen balgte wie weiland die Passagiere der Titanic um das letzte Rettungsboot. An Terminal II zeigten die Anzeigetafeln den Flug auf Russisch an (sic!), außerdem wurde am Check-In-Desk „Antalya-Frankfurt“ soeben durch „Antalya-München“ ersetzt. Mit Händen, Füßen und Grimassen gelang uns noch der Tausch Bordkarte gegen Koffer. Nur mit Mühe konnten wir das Servicepersonal außerdem davon überzeugen, auch der von uns erfolgreich abgehängten Restgruppe eine Chance zur Heimkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Durch den Terminal irrend und uns an der Sicherheitskontrolle an desorientierten Russen vorbeidrängelnd erreichten wir schließlich den Counter, über dem bedrohlich rot blinkend „Last Call“ zu lesen war. Auch diesmal wieder große Diskussion.
Abgesehen von einem paar schaffte es alle pünktlich in den Bus. Die beiden Fehlenden wurden nachgefahren – sie hatten sich noch eben im Duty-Free-Shop mit Raki eingedeckt.
Um 19:10 ging planmäßig der Flug. Um 19:06 hatten wir es geschafft.
Knapper geht’s wohl nicht.