Was ist Evangelium???

Immer mal wieder drängt sich mir ein fürchterlicher Vedacht auf. Dass es nicht so sehr auf die Inhalte ankommt, die ‚wir‘ in ‚unseren‘ Gemeinden zum Besten geben; dass vielmehr zählt, was zählbar ist. Die Statistik. Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen, heißt es. Mammon, das schient viel mehr zu sein als Gold, Pfandbriefe und Kommunalobligationen. Immer wieder sagen Menschen angesichts von Phänomenen wie Hour of Power, Willow Creek oder Pro Christ: „Ok, da ist nicht alles 100% in Ordnung, aber immerhin spricht es viele Menschen an, die sonst nicht erreicht werden würden, und das ist doch gut so.“
Nein, ist es nicht. Denn tatsächlich kommt es sehr wohl auf die Inhalte an – auf das, was da vermittelt wird. Es kommt darauf an, ob Liebe und Miteinander im Mittelpunkt stehen oder nicht. Es kommt darauf an, ob Beziehungsfähigkeit (zu Gott, Menschen und mir selbst) gefördert oder behindert wird. Das allein zählt, das ist der Maßstab.
Nun bin ich wahrlich kein Engel und kein Stück besser. Aber ich wäre es gerne, sehr gerne. Ich will mich nicht zufrieden geben mit dem, was ich selbst bin, was ich um mich herum sehe. Ich will wachsen. Und etwas wachsen sehen.
Zuallererst kommt bei Jesus die Liebe, und ich finde, da wird häufigviel zu schnell drüber hinweggegangen. Nächstes Thema, nächster Punkt. Nein, ich denke, dabei will ich erst einmal bleiben. Und lernen, sehr viel lernen. Was bedeutet es denn, zu lieben? Erst einmal gehört dazu sehr viel Wertschätzung. Für Menschen, nicht für Institutionen. Wertschätzung, „geliebt werden“ ist ja die primäre Sehnsucht jedes Menschen; der Kitt jeder zwischenmenschlichen Beziehung, der Mörtel jedes soziologischen Gebildes. Aber eben dieses Zutat fehlt häufig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Energiebilanz vieler Kirchen und Gemeinden so grottenschlecht ist, dass der Schnee auf dem Dach schmilzt, es durch die Löcher und Ritzen pfeift und pustet, so viel verschwendet, verheizt, durch den Kamin gejagt wird? Wir schuften uns zu Tode, aber die Bude wird einfach nicht warm. Wir tun alles, um sie voll zu bekommen, und übersehen dabei, dass sich niemand wohl fühlt, sondern im Gegenteil sich Schnupfen, Lungenentzündung oder Schlimmeres holt.
Kirchen brauchen den Wohlfühlfaktor. Kirchen müssen Wertschätzungsinstitute werden. Orte, an denen wir alle miteinander gut zueinander sind, an denen wir erst einmal lernen, gut zueinander zu sein, uns anzulächeln, einander die Herzen zu erwärmen, großzügig zu sein. Lernen. Das bedeutet auch einmal, Fehler zu machen.
Wie bekommt man so etwas hin?

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. freidenkerin
    Dez 27, 2009 @ 14:55:36

    Donnerwetter! Da sprichst du mir so sehr aus dem Herzen!
    Liebe Grüße!

    Antwort

  2. Jörg Schweitzer (Baloo)
    Dez 27, 2009 @ 19:26:25

    Hi, frage mich nur, warum solch‘ ein Bild von Gemeinde auch in Gemeinden als Wunsch eines Träumers abegetan wird, der einfach unrealisierbar ist. Weshalb man es ja auch erst garnicht versuchen muss und erst einmal, na egal was, streiten muss …
    Herr, erbarme dich!

    Antwort

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