Bedenkenswert

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Geschäftsidee: Office Rotation für Kreative

Wenn ich mehrere Stunden am Stück im Büro sitze, kann ich anfangs mit einer unglaublichen Geschwindigkeiten Kreatives aller Art raushauen, dass es eine helle Freude ist. Die Arbeitszufriedenheit steigt sprunghaft an, Gedanken und Assoziationen entstehen, es funkt und knistert, Output, Output, Output.
Dann ein längeres Hochplateau, gut geeignet für Fleißarbeiten, Telefonanrufe, Emails.
Wenn diese Phase gut läuft und mich ein Inspirationsblitz trifft, kann es noch eine Zeit lang recht freuchtbar weiter gehen.
Aber dann. Nach einer gewissen Anzahl von Stunden wird es zäh. Faul bin ich dann noch lange nicht, aber die Ideenflut versickert irgendwann zusehends. Auch die Zurhilfenahme körperfremder Substanzen auf Koffeinbasis hilft nur bedingt.
Wenn ich in dieser Phase das Auto besteige, ein paar Kilometer fahre und mich zuhause an den Schreibtisch setze, geht’s wieder. Das Betreten eines neuen Gebäudes gibt mir einen Kick, den zu nutzen ich inzwischen gelernt habe.
Nun meine Idee: Wie wäre es, wenn man sich mit ein paar anderen Kreativen in der Region zusammenschlösse, um zu einem verabredeten Zeitpunkt am Tag Büros zu tauschen? Laptop aufbauen, Kaffeemaschine funktionstesten, loslegen.
Das müsste doch eigentlich einen recht hübschen Effekt erzielen.

Zweite Idee: Vor Jahren hatte ich mit einem Freund zusammen eine wirklich gute Idee (Hallo Roland!):
Er (Redakteur eines hochangesehenen Computerspielemagazins) und ich (Pastor) trafen uns regelmäßig, um uns hinsichtlich unserer Erzeugnisse (Er: Artikel – ich: Predigten) ausgiebigst Feedback zu geben. Für uns beide war dieser Deal äußerst inspirierend.
Wie wäre es, vergleichbare Partnerschaften buntester Zusammensetzungen zu initiieren? Vielleicht über eine Onlineplattform?
Und bin ich eigentlich völlig bescheuert, diese Idee hier zu verschenken?
Am Ende liest noch die Hegemann mit.

Schönheit

Manchmal (genauer gesagt beinahe immer) spuken mir irgendwelche wirren Gedankenfetzen im Kopf herum. Sie beschäftigen und/oder beunruhigen, inspirieren, treiben die Handlung voran.
Gelegentlich geschieht etwas, das ich als Wunder bzw. Geschenk empfinde: Dann gehen einige dieser Gedankenschnipsel eine fragile, aber äußerst elektrisierende Verbindung ein. Neues entsteht. Ich frage mich, ob das Universum und das erste Leben auf ähnliche Weise entstanden sind: Aus dem Chaos fügt sich tänzerisch-spielerisch etwas zusammen. So kreativ, wie es dabei abgeht, kann das nur gottgewirkt sein.
Ende des Präludiums.
Aktuell sind es Themen wie Spannungstoleranz, diversity management, Vielfalt, Mosaik usw.

Wir sind ein Mosaik, entstanden aus den zerbrechlichen Lebensentwürfen von Menschen, die gemeinsam auf einer spirituellen Reise sind, um Gott zu entdecken.
Obwohl unsere Lebensentwürfe und -wege vielfältig und unterschiedlich sind, fügt Gott all die Fragmente auf unserer gemeinsamen Reise trotzdem zu einem kunstvollen und starken Mosaik zusammen.

Solche und andere Dinge beschäftigen mich. Wie man aufeinander zugehen kann, wie Vielfalt als Bereicherung empfunden werden kann anstatt als Zumutung, was das alles mit mir selbst zu tun hat.
In diesem Zusammenhang kam mir bei einem dieser häufigen Brainstormings für neue Veranstaltungsbezeichnungen ein Satz in den Kopf, der sich dort seitdem regelrecht eingebrannt hat: Gemeinsam sind wir schön.
Die damit einhergehende Erkenntnis, eigentlich so alt wie der 1. Korintherbrief, haut mich aktuell völlig um.
Ich muss an die Schöpfung denken, an die Natur, an die Schönheit, die wir in ihr finden. Ein Wald, ein Wasserfall, eine Frühlingswiese ist etwas Wunderbares. Dabei herrscht dort völliges Chaos, Durcheinander, Diversität. Niemand interessiert sich für die Frage, was noch zur Wiese dazugehört und inwiefern sie sich von ihrer Umwelt (der „Welt“) unterscheidet; wie viele Blumen sich darauf befinden; ob die Anzahl der Grashalme sich seit letztem Jahr reduziert hat…
Sie ist einfach wunderschön, weil es eben so ist, unbegründbarerweise.
Vielfalt ist schön. Ich wünsche mir von Herzen, einen Blick dafür zu bekommen, um sie intensiver genießen und die grenzenlose Kreativität ihres Schöpfers wertschätzen zu können.

Was Macht mit mir macht

Mir ging unlängst ziemlich der Hut hoch, als ich anlässlich meiner Ausbildung in einem Text über (analytische) Supervision las: In der Analyse sei der Supervisor der Leiter, er habe den Ein- und Überblick; der Supervisand habe eben nicht dieselbe Sicht, er sehe weniger klar, und das sei eben so. Selbst wenn man ihm die Zusammenhänge erklären würde, könne er sie nicht begreifen.
Da fragte mich, wie diese zwei Bereiche meines Lebens zusammenpassen – einerseits Beruf und Privatleben, wo ich Beteiligung und Gleichberechtigung so groß wie möglich schreibe – und andererseits dann die Supervision, für mich ebenfalls sehr wichtig, die offensichtlich von Asymmetrie lebt und sie knallhart einkalkuliert.
In der nächsten Kurseinheit brachte ich diese Frage ein. Sie wurde erst einmal zurückgestellt, weil die anderen Kursteilnehmer mich ansahen wie Kühe im Gewitter. Stattdessen besprachen wir zwei Fälle. Und wenn ich auch etwas angesäuert war, ließ ich mich darauf ein.
Was sich auszahlte: Ich beobachtete den Kursleiter sehr genau. Und stellte fest, dass er unter seiner harten Schale eine sehr weiche, menschenfreundliche, zugewandte Art hat. Er war der Leiter; aber er schenkte der Person, die ihren Fall schilderte und persönlich sehr betroffen war, viel Mitgefühl und Empathie. Das rührte mich, und ich begriff: Es geht nicht (nur) um die Frage, wer die macht hat – sondern auch darum, wie sie genutzt wird. Und: Ich stelle mich als Supervisor meinem Gegenüber zur Verfügung, ich mache Angebote, ich mache mich auch selbst angreifbar. Beide ‚Seiten‘ sitzen in einem Boot, beide sind aufeinander bezogen, beide zeigen sich und machen sich spürbar. Abstinenz bedeutet nicht emotionale Abschottung.
Trotzdem läuft das nicht gleichberechtigt ab. Der Supervisor hält den Rahmen, wirkt so manchmal hart und unverständlich. Aber er setzt damit nur gemeinsam getroffene Vereinbarungen um. Er oktroyiert nicht, er hält ein.
Mir hat das sehr geholfen. Und ich freue mich schon sehr auf den nächsten Prozess, in dem ich diese Haltung anwenden kann. Denn es gibt für mich nichts Schöneres, als Menschen zu begleiten und sehen zu dürfen, wie sie ihr Potenzial entfalten und Neues wagen.