Warum Fundamentalismus keinen Sinn macht

Zeitloses von Origenes. Wohlgemerkt: drittes Jahrhundert!
Zeigt einmal mehr, dass Fundamentalismus schon immer nervig und alles andere als „bibeltreu“ war.

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. gandalf
    Apr 22, 2010 @ 12:01:06

    Naja, ob ausgerechnet Origenes so der ideale Kandidat für progressives Christsein ist:

    Aus wikipedia:

    „Das meiste, was wir über Origenes’ Leben wissen, stammt aus der Kirchengeschichte von Eusebius von Caesarea. Eusebius war ein glühender Anhänger des Origenes und seiner Lehren, und er war kein sonderlich kritischer Denker; so liefert er eine z. T. verklärende Darstellung, insbesondere was Origenes’ Jugend und Martyrium betrifft. So ist sein versuchtes Martyrium (und vieles andere) möglicherweise Legende. Andere Quellen sind nicht minder zweifelhaft.

    So soll die ihn anfangs unterstützende, wohlhabende Dame der Gnosis nahegestanden und intellektuelle Zirkel veranstaltet haben, was viele der Gnosis nahestehende Gedanken Origenes’ erklären könnte.“

    Außerdem war Origenes durchaus ein Eiferer für den orthodoxen Glauben und häufig im Einsatz gegen sogenannte Häretiker (steht an anderer Stelle in dem Wikipedia-Artikel).

    Aber sind die in dem Ausschnitt genannten Themen überhaupt relevant in der heutigen Debatte? Heute geht es doch weniger um Sonne, Mond und Sterne, die geographische Lage des Garten Eden usw.
    Vielmehr werden als Fundamentalisten doch oft die bezeichnet, für die die Inhalte biblischer Texte eine Botschaft Gottes enthalten (und damit in vielen Inhalten ausserhalb menschlicher Verfügungsgewalt stehen), während andere diese Texte als frei jeglichen Mysteriums und durchaus innerweltlich formbar und wandelbar sehen.
    Was Menschen erdacht, können andere Menschen neu zeichnen, oder wie hieß noch der Titel eines Buchs von John Shelby Spong (TCPC Executive Council Member) „…Why Traditional Faith Is Dying and How a New Faith is Being Born“. So kann nur einer reden, der sich sicher ist, dass keine unbekannte, durch Menschen un-steuerbare Größe (Gott) seine Hände im Spiel hat und sowohl der traditionelle als auch der neue Glaube ausschließlich innerweltlich zu definieren und zu erklären sind.

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  2. diewahrheitistuntoedlich
    Apr 22, 2010 @ 12:28:23

    Keine Sorge, lieber Gandalf, meinen Origenes habe ich in- und auswendig studiert. Da kann Wikipedia nichts Neues beisteuern.
    Was Origenes zum Progressiven macht: Er hatte den Mut, überaus originell und geistreich Theologie zu betreiben. Sein Konzept von Eschatologie ist einzigartig – auch wenn man ihm deshalb in diesem Punkt noch lange nicht zustimmen muss.
    Um die Themen geht es sicher nicht, sondern um die Art und Weise, Exegese zu betreiben. Das, was Gott uns zu sagen hat, lässt sich nicht auf unser Verständnis von ihm reduzieren. M.E. ist es aber genau das, was Fundamentalisten versuchen. Das macht sie in meinen Augen zu Häretikern.

    Antwort

  3. gandalf
    Apr 22, 2010 @ 14:04:34

    Wie kann man nach 1700 Jahren nachträglich eine dünne Quellenlage wesentlich zeitnäherer Autoren wie dem besagten Eusebius verbessern?

    Es gibt eine Anekdote über ein Treffen zwischen den Philosophen Wittgenstein und Popper in Cambridge, welches ziemlich stürmisch verlief.

    Keiner der Zeugen war nachher imstande über gewisse Dinge eine zusammenhängende Aussage zu machen oder zu beschreiben, ob Wittgenstein nun mit einem Schürhaken gedroht hat oder nicht. Obwohl ja alle höchstselbst zugegen waren. Und so ist es nun für alle Zeit unmöglich die wahren Ereignisse forensisch zu dokumentieren. Es ändert aber nichts daran dass es etwas dort passiert ist und das was beide vorher zum Besten gegeben haben ist vielleicht auch irgendwie relevant.

    Ist das Reduizeren auf unser Verständnis nicht eher das was Spong macht? Alles wegschmeißen was uns nicht in den Kram passt? Alles was unseren Plänen in die Quere kommt? Alles was uns unsere Begrenztheiten vor Augen hält?
    Fundamentalisten sind Häretiker, Leute wie Spong sind eher Apostaten.

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