Wir

Es ging mir in den letzten Tagen schwer durch den Kopf, und gestern war’s dann die Krönung:
„Wir“ sind Papst. „Wir“ haben 3:0 gewonnen. Und einen Musikwettbewerb.
Wieso wir? Mit Raabs sympathischer Marionette, von deren Existenz ich bis vor ein paar Wochen gar nichts wusste, habe ich genauso wenig zu schaffen wie mit dem alten Herrn in Rom. Ich habe ja nichts gegen sie. Aber ich bin nicht sie.
Und wieso höre ich keine Sätze wie „Wir haben da ’33-’45 echt Scheiße gebaut“? Nee, das waren ja die Nazis, damit haben wir nix zu tun. Sehr anschauliche Beispiele aus der aktuellen Politik lasse ich mal weg, das gäbe nur wieder Ärger.
Was aber soll nur dieses selektive „wir“?
Wenn Lena dann in ein paar Wochen genüsslich von der Sensationspresse auseinandergenommen werden wird, weil ihr Bruder einmal einen Dackel gequält oder sie früher gegenüber von einem Puff gewohnt hat, dann wird sich wieder einmal zeigen, dass es vom „Wir sind Messias“ zum „Kreuzigt ihn“ nur ein kleiner Schritt ist.
Dann sind wir plötzlich nie „wir“ gewesen. Dann tritt zur Entnazifizierung die Entlenisierung,
Wir sind und bleiben eben Idioten.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Jan-Martin Klinge
    Mai 30, 2010 @ 19:32:02

    Obwohl du recht hast, bin ich ganz anderer Meinung 😀
    http://halbtagsblog.wordpress.com/2010/05/30/wir-sind-lena/

    Antwort

  2. Name
    Jun 15, 2010 @ 18:16:52

    Das „wir sind“ ist einer großen deutschen Boulevardpresse entnommen und wird seither immer wieder verwertet. Der Urspung von „Wir sind Deutschland“ war doch eine viel breitere Betrachtung der Vielfältigkeit Deutschlands -auch den Schwachstellen in denen der einzelne benötigt wird. Denn trotz der schattig, braunen aber auch der roten, linksradikalen als auch 68er Vergangenheit können wir stolz auf unser Land sein wie es heute dasteht mit Schulen, Sozialversicherung, Umweltschutz, etc. Sicher nicht perfekt, aber gut!
    Und zum Glück sind Kinderschänder (Cohn-Bendit), Steinewerfer (Fischer) nicht (mehr) in der Bundespolitik aktiv und mit etwas Glück verschwinden sie auch noch aus den übrigen Positionen und Medien.

    In seriösen Blättern sind wir aber auch heute eben nicht (oder zumindestens nicht nur) Papst, Lena usw. – in diesen Medien sind wir jedoch allzu oft noch mit der Geschichte 22-45 eng verhaftet (meist wird der linke Flügel der 60/70er schön geredet).
    Ja, diese Zeiten gehören auch dazu, aber das soll nicht dass sein auf man „die Deutschen“ reduziert. Genausowenig will man auf den Weltmeistertitel reduziert werden.

    Also rein medial gesehen liegt zwischen dem „Wir sind Messias“ und dem „Kreuzigt ihn“ ein Unterschied der mindestens zwischen Bild und FAZ liegt.

    Zwischen „Hosianna“ und „Wir sind Messias“ liegt wiederum ein Problem im Selbstbild, der Wortwahl oder der Theologie…

    Das zwischen dem „Hosianna“ und dem „Kreuzigt ihn“ keine zu großer Graben liegt, dem würde ich uneingeschränkt zustimmen.

    Dem „wir sind und bleiben Idioten“ wünschte ich mir eine Definition des Begriffes „Idioten“ vor Zustimmung oder Ablehnung…

    Antwort

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