Wenn Wut und Traurigkeit in die Isolation treiben

Glücklicherweise habe ich einmal beschlossen, in emotionalen Sondersituationen keine langfristigen Entscheidungen zu treffen. Sonst würde ich jetzt wohl eine Dummheit begehen.
Die zugrunde liegende Begebenheit ist nur eine von vielen. Aber leider ist es wohl immer dasselbe und wird sich vielleicht niemals ändern.
Da veröffentlicht eine Zeitschrift, an die man noch eine gewisse Resthoffnung knüpfte, ein umfangreiches Dossier zu Thema Nr. 1. Und zerschlägt mir die letzte Hoffnung, dass in ‚meinem‘ kirchlichen Lager noch so etwas wie Entwicklung oder Wandel entstehen könnte. Da wird von „uns Bibeltreuen“ geredet (eine Formulierung, die mich schon einmal aus einer Gemeinde trieb), da werden Andersdenkende als „unsere Gegner“ bezeichnet, da werden nur Anti-Artikel geschrieben, ohne dass die Pro-Fraktion zu Wort kommt, da wird Vertretern von meiner Meinung nach menschenverachtenden Positionen ausdrücklich für ihre wertvollen Beiträge und ihre treue Arbeit gedankt.
Nun habe ich nichts gegen eine gute, kontroverse Diskussion. Dass man sich da aber als ‚evangelikales UND charismatisches Lager‘ geschlossen einigelt und jeglichen ergebnisoffenen Dialog ablehnt, erschüttert mich zutiefst. Die Position ist zementiert.
Aber, noch schlimmer: Die Existenz anderer Meinungen und Überzeugungen innerhalb des eigenen Lagers wird schlichtweg ignoriert. So etwas ist undenkbar. Wer anders denken, gibt dem Zeitgeist nach, verrät das Evangelium. Mit anderen Worten: So etwas, so jemanden wie mich gibt es für die Autorenschaft dieser Zeitschrift nicht. So etwas wie ich ist nicht vorgesehen.
Nun rede ich ja schon lange darüber, dass wir Progressiven unseren eigenen, organisierten Kristallisationspunkt brauchen. Aber wo kann ich den erkennen? Verängstigt, vorsichtig, zerstritten, mit anderen Prioritäten dümpeln wir im weiten Meer theologischer Beliebigkeit herum und bekommen es einfach nicht hin, uns auch nur im mindesten zu organisieren oder zusammenzufinden. Das ist zu anstrengend, die Anreise ist zu weit, zu viel anderes viel wichtiger.
Wir sind eben noch ganz am Anfang, müssen uns finden, positionieren, organisieren. Pionierarbeit.
Ach, und wenn das alles überhaupt etwas wird. In Amerika sieht das in einem solchen Maße besser aus, dass ich nachts wachliegend manchmal davon träume, die Mayflower zu besteigen und meine angeschlagene Seele über den Atlantik in Sicherheit zu bringen.

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. matze
    Aug 23, 2010 @ 09:43:58

    ach du scheisse… redest du von dem blatt, in dem ein artikel von mir steht?

    falls ja… auch ich war wieder vorsichtig… falls was „zweideutig“ bei dir ankam, melde dich gerne…

    Antwort

  2. matze
    Aug 23, 2010 @ 09:50:08

    habe eben das inhaltsverzeichnis gefunden… ich glaube du redest von einem anderen blatt… muss zugeben, dass ich erleichtert bin 😉

    Antwort

  3. diewahrheitistuntoedlich
    Aug 23, 2010 @ 09:54:27

    Aufatmen 1/2010. Beruhigt?
    Ach Matze, du bist ja nun über jeden Verdacht erhaben 😉

    Antwort

  4. Siggi
    Aug 23, 2010 @ 10:02:25

    Ääh, worum geht’s denn eigentlich? Hast du einen Link zu dem Artikel? Ist für mich sonst schwer nachzuvollziehen. Danke, Siggi

    Antwort

  5. diewahrheitistuntoedlich
    Aug 23, 2010 @ 10:12:45

    Siehe Kommentar 3. Aber der Anlass ist wie gesagt austauschbar.

    Antwort

  6. Sonja
    Aug 23, 2010 @ 12:12:37

    jaaa, ich habe das auch gelesen, weil ich diese Zeitschrift mit Resthoffnung sogar abboniert habt. Und war auch total frustriert!!!!!

    Antwort

  7. diewahrheitistuntoedlich
    Aug 25, 2010 @ 15:12:20

    btw klasse Artikel, Matze!

    Antwort

  8. ExGay-Observer
    Aug 26, 2010 @ 09:50:56

    Vielen Dank für den Kommentar! Ich kann den Frust sehr, sehr gut nachvollziehen. In dem besagten Blatt wird aber glücklicherweise nur die Meinung einer kleinen rechten Randgruppe wiedergegeben. Es tut sich in deutschen Gemeinden derweil eine ganze Menge. Egal ob bei den Baptisten oder Methodisten, es dringt so ganz allmählich durch, dass Gottes Liebe eben doch bedingungslos für alle Menschen gilt. Es gibt viel Hoffnung. Gott ist groß und vergisst seine Kinder auch nicht.
    Liebe Grüße

    Antwort

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