Parteinacht

Es war eigentlich wie immer.

800 Wertkonservative versammeln sich für ein paar Tage in einer Halle, lauschen Reden, heben Stimmkarten, stürmen erregt an Mikrophone. All dies, um die Welt zu retten, die ohne einen nicht zurechtkommen würde. Ja, es hatte etwas Deja-vu-Mäßiges.

Aber es gab doch auch Unterschiede. Nicht so sehr die Kameras. Die sieht man nach ein paar Stunden gar nicht mehr. Und es ist eher amüsant als ängstigend, wenn die Gesichter, die da vorne auf- und abtreten, mit leichter zeitlicher Versetzung in den Printmedien auftauchen, die überall gratis verteilt werden.

Zurück zu den Unterschieden. In erster Linie ist da die Leidenschaft. Nicht in Form der mir sonst bekannten verbitterten Empörung. Dafür und Dagegen halten sich durchaus die Waage. Gemeinsam hat beides eine tiefgreifende Entschlossenheit, die eigenen Werte und Überzeugungen zu vertreten und zu verteidigen. Ohne das freikirchliche Dauerbeleidigtsein. Stattdessen herrscht ein beinahe fröhliches „Wir haben es selbst in der Hand“ vor. Das prägt das Klima.

Und dann die Anträge. Über 750 Änderungsanträge waren es diesmal. Es wird jedoch nicht über alle abgestimmt. Sondern man macht sich die Mühe, die Antragsteller und ihre Anliegen einzubinden, man sucht das Gespräch, erklärt, diskutiert, moderiert. Wenn alles nicht hilft, wird abgestimmt. Da bekommt die Parteispitze regelmäßig eins auf die Mütze, zur Freude der Medien.

Ach, es war eine äußerst interessante Erfahrung. Besonders das Beobachten der Rednerinnen und Redner: Einige verkaufen sich sehr professionell. Andere dümpeln an der Grenze zur Peinlichkeit dahin. Manche nerven. Aber ich habe bemerkt, dass diejenigen, die von echter, tiefer innerer Leidenschaft getrieben sind, die Herzen des Auditoriums anrühren. Ich glaube schon, dass hier wie überall Taktieren und ‚Politik‘ eine Rolle spielen. Aber ich hatte den Eindruck, dass man nicht zuletzt auch auf  seine Instinkte und Gefühle hört, wenn man die Stimmkarte führt. Wer eine gute Rede hält, hat eine echte Chance. Das ist nur eben nicht jedem gegeben.

Und natürlich mal wieder äußerst interessante Menschen kennengelernt. Das sind Kontakte, die bleiben.

Fazit: Gefühle zeigen. Das Herz öffnen. Dann passiert etwas.