Abstinenz

Lange Zeit habe ich mich selbst kritisch gefragt, warum es hier nicht voran geht. Interessanterweise nicht nur hier. kann es sein, dass die Bloggerlandschaft gerade böse einknickt? Jedenfalls das, was ich bei Google Reader gespeichert habe.
Was mich anbelangt: Nun habe ich endlich eine Phantasie dazu. Ich glaube, es liegt an der Supervisionsausbildung. Da werde ich darauf getrimmt, Affekte zu steuern, nicht immer gleich loszupoltern, erst einmal zuzuhören, verstehen zu wollen.
Na ja, und was ist Bloggen denn anderes als ein Konglomerat mehr oder weniger ungefilterter affektiver Verbaldiarrhoe?
Gut, dann hätten wir das ja geklärt.
Aber wie geht die Entwicklung weiter?
Höre ich demnächst auch auf zu predigen?

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Parteinacht

Es war eigentlich wie immer.

800 Wertkonservative versammeln sich für ein paar Tage in einer Halle, lauschen Reden, heben Stimmkarten, stürmen erregt an Mikrophone. All dies, um die Welt zu retten, die ohne einen nicht zurechtkommen würde. Ja, es hatte etwas Deja-vu-Mäßiges.

Aber es gab doch auch Unterschiede. Nicht so sehr die Kameras. Die sieht man nach ein paar Stunden gar nicht mehr. Und es ist eher amüsant als ängstigend, wenn die Gesichter, die da vorne auf- und abtreten, mit leichter zeitlicher Versetzung in den Printmedien auftauchen, die überall gratis verteilt werden.

Zurück zu den Unterschieden. In erster Linie ist da die Leidenschaft. Nicht in Form der mir sonst bekannten verbitterten Empörung. Dafür und Dagegen halten sich durchaus die Waage. Gemeinsam hat beides eine tiefgreifende Entschlossenheit, die eigenen Werte und Überzeugungen zu vertreten und zu verteidigen. Ohne das freikirchliche Dauerbeleidigtsein. Stattdessen herrscht ein beinahe fröhliches „Wir haben es selbst in der Hand“ vor. Das prägt das Klima.

Und dann die Anträge. Über 750 Änderungsanträge waren es diesmal. Es wird jedoch nicht über alle abgestimmt. Sondern man macht sich die Mühe, die Antragsteller und ihre Anliegen einzubinden, man sucht das Gespräch, erklärt, diskutiert, moderiert. Wenn alles nicht hilft, wird abgestimmt. Da bekommt die Parteispitze regelmäßig eins auf die Mütze, zur Freude der Medien.

Ach, es war eine äußerst interessante Erfahrung. Besonders das Beobachten der Rednerinnen und Redner: Einige verkaufen sich sehr professionell. Andere dümpeln an der Grenze zur Peinlichkeit dahin. Manche nerven. Aber ich habe bemerkt, dass diejenigen, die von echter, tiefer innerer Leidenschaft getrieben sind, die Herzen des Auditoriums anrühren. Ich glaube schon, dass hier wie überall Taktieren und ‚Politik‘ eine Rolle spielen. Aber ich hatte den Eindruck, dass man nicht zuletzt auch auf  seine Instinkte und Gefühle hört, wenn man die Stimmkarte führt. Wer eine gute Rede hält, hat eine echte Chance. Das ist nur eben nicht jedem gegeben.

Und natürlich mal wieder äußerst interessante Menschen kennengelernt. Das sind Kontakte, die bleiben.

Fazit: Gefühle zeigen. Das Herz öffnen. Dann passiert etwas.

Wie man sich engagiert

Manchmal sucht man verzweifelt nach neuen Betätigungsfeldern. Nicht, weil zu viel Zeit da ist, sondern zu wenig Gefühl von Sinn und Selbstwirksamkeit.
Manchmal kann man sich vor lauter Ideen, Projekten, Anfängen kaum retten.

Gelegentlich fühlt es sich aber genau so, wie es ist, gut an. Klar, besser sein könnte es immer. Und dass sich die verschiedenen Bereiche gelegentlich überschneiden bzw. miteinander ins Gehege kommen, auch das kommt vor.
Aber letztendlich kommt es auf die Perspektive(n) an.

Zwischenbericht

In the end, we will remember not the words of our enemies, but the silence of our friends.

Martin Luther King

Abstimmung mit den Füßen

Finnlands (Ex-)Kirchenmitglieder beziehen Position gegen Homophobie.

Material für den nächsten Gottesdienst

Love God. Love Your Neighbor Litany
One: No matter what color he is.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter whether she speaks English.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter who he sleeps with.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter what God she worships.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter if their children go to church.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter if they sleep in a cardboard shelter.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter if his breath reeks of alcohol.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter if she is a single mother with a child.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter if his home is behind bars.
All: In loving our neighbor, we show our love for God.
One: No matter. No matter. No matter.
All: We are Great-Commandment people in the body of Christ and in the Alliance of Baptists! — Burton Bagsby-Groves

Wenn Wut und Traurigkeit in die Isolation treiben

Glücklicherweise habe ich einmal beschlossen, in emotionalen Sondersituationen keine langfristigen Entscheidungen zu treffen. Sonst würde ich jetzt wohl eine Dummheit begehen.
Die zugrunde liegende Begebenheit ist nur eine von vielen. Aber leider ist es wohl immer dasselbe und wird sich vielleicht niemals ändern.
Da veröffentlicht eine Zeitschrift, an die man noch eine gewisse Resthoffnung knüpfte, ein umfangreiches Dossier zu Thema Nr. 1. Und zerschlägt mir die letzte Hoffnung, dass in ‚meinem‘ kirchlichen Lager noch so etwas wie Entwicklung oder Wandel entstehen könnte. Da wird von „uns Bibeltreuen“ geredet (eine Formulierung, die mich schon einmal aus einer Gemeinde trieb), da werden Andersdenkende als „unsere Gegner“ bezeichnet, da werden nur Anti-Artikel geschrieben, ohne dass die Pro-Fraktion zu Wort kommt, da wird Vertretern von meiner Meinung nach menschenverachtenden Positionen ausdrücklich für ihre wertvollen Beiträge und ihre treue Arbeit gedankt.
Nun habe ich nichts gegen eine gute, kontroverse Diskussion. Dass man sich da aber als ‚evangelikales UND charismatisches Lager‘ geschlossen einigelt und jeglichen ergebnisoffenen Dialog ablehnt, erschüttert mich zutiefst. Die Position ist zementiert.
Aber, noch schlimmer: Die Existenz anderer Meinungen und Überzeugungen innerhalb des eigenen Lagers wird schlichtweg ignoriert. So etwas ist undenkbar. Wer anders denken, gibt dem Zeitgeist nach, verrät das Evangelium. Mit anderen Worten: So etwas, so jemanden wie mich gibt es für die Autorenschaft dieser Zeitschrift nicht. So etwas wie ich ist nicht vorgesehen.
Nun rede ich ja schon lange darüber, dass wir Progressiven unseren eigenen, organisierten Kristallisationspunkt brauchen. Aber wo kann ich den erkennen? Verängstigt, vorsichtig, zerstritten, mit anderen Prioritäten dümpeln wir im weiten Meer theologischer Beliebigkeit herum und bekommen es einfach nicht hin, uns auch nur im mindesten zu organisieren oder zusammenzufinden. Das ist zu anstrengend, die Anreise ist zu weit, zu viel anderes viel wichtiger.
Wir sind eben noch ganz am Anfang, müssen uns finden, positionieren, organisieren. Pionierarbeit.
Ach, und wenn das alles überhaupt etwas wird. In Amerika sieht das in einem solchen Maße besser aus, dass ich nachts wachliegend manchmal davon träume, die Mayflower zu besteigen und meine angeschlagene Seele über den Atlantik in Sicherheit zu bringen.

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