Sprachlos

Es ist nicht immer die Zeit der großen Worte. Auch schreibe, rede, formuliere ich an anderen Stellen und bei so vielen Gelegenheiten derart viel, dass für diesen Platz einfach oft nicht mehr viel übrig ist.

Aber es geht ja auch anders. Also von nun an weniger Wort, mehr Bild. Und nach wie vor alles selbstgemacht.

Piraten

Also ich freue mich ja für Berlins Piratin und Piraten. Auch wenn sie „uns“ sicher viele Stimmen entführt haben – was soll’s.

Auf ihrer Pressekonferenz – buntes Durcheinander, semiprofessionelles Auftreten. Sympathisch. So ist es eben, wenn man plötzlich 8,9 Prozent hat.

Ich bin heilfroh, dass damals im April, als wir von null auf 13,9 Prozent katapultiert wurden (bei der Länge der Liste hatten wir jedoch besser vorgearbeitet), keine Presse anwesend war. Denn ich bin ebenso breit grinsend durch die Gegend gestolpert, habe ebenso blöd aus der Wäsche geschaut – wie eine Kuh beim Gewitter.

Was jetzt kommt – ja, das hatten wir  damals auch: Sich orientieren, lernen, Lehrgeld zahlen. Zu jedem Thema sofort eine Meinung haben. Komplexe Zusammenhänge schnell erfassen. Anfangs über den Tisch gezogen werden. Sich schwören, dass das nicht wieder passiert. Was mit der Zeit dann auch Realität wird.

Politik ist faszinierend. Anders als das, was man sonst so kennt. Wenn man bei den Themen bleibt, wenn man sich immer wieder neu sagt, dass es um Leidenschaften, Überzeugungen, Inhalte geht und nicht um Macht – dann hat man eine einigermaßen gute Chance, nicht zum Gesinnungsmonster zu verkommen. Ansonsten wird man ganz sicher an sich selbst verzweifeln.

Wenn die Piratin und die Piraten das beherzigen – und ich wünsche es ihnen sehr – dann können sie eine sehr interessante und relevante Zeit erleben.

Meine erste „Ausstellung“

Das heimische Wohnzimmer muss ein paar Wochen auf sie verzichten. Vielleicht auch, Dawanda sei Dank, für immer?

Tiere essen

Die meisten werden jetzt nicht weiterlesen. Denn es ist ja klar, was kommt. Kann gar nicht anders.

Gerade lese ich ein Buch. Tiere essen. Genauer gesagt lese ich es seit Monaten. Immer wieder pfeffere ich es in die Ecke. Immer wieder nehme ich es erneut in die Hand. Es ist ein Kampf.

Denn hier treffen zwei Prinzipien aufeinander, die scheinbar nicht vereinbar sind: Einerseits will ich ein guter Mensch sein. Morgens in den Spiegel sehen und so. Andererseits will ich das Leben genießen können. Steaks grillen und so.

Sinngemäß passt da ein Satz von Juli Zeh: „Wie wollen wir denn nun sein: stark, schön und erfolgreich – oder edel, hilfreich und gut?“ Ich muss mich entscheiden. Bewusst oder unbewusst leben. Oder immer wieder vom einen in den anderen Zustand hinüberwechseln?

Neulich unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die Vegetarierin ist. Ich fragte sie, wie sie das macht. Sie zuckte mit den Schultern und meinte: „Meine Eltern waren Vegetarier. Ich kenne es nicht anders.“ Ich fragte sie, was sie empfindet, wenn ihr Grillgeruch in die Nase steigt. Sie denkt kurz nach. „Nichts.“

Ich beneide sie. Denn so etwas wie das hier wird auch sie betroffen machen. Aber anders als mich. Es macht mich wütend. Aber es beschämt mich auch. Denn ich mache mit.

Es geht auch einmal ohne Worte…

Wie Politiker ihre Abende verbringen

Es war nicht geplant. Es passierte einfach. Es kam eben so.

Mit leicht summendem Kopf saß ich gestern Abend in der repräsentativsten Halle unseres Ortes, fein aufgebrezelt, weil ja auch Presse da war, nickte Bürgermeister und anderen Würdenträgern lässig zu und stellte meine Aktentasche mit dynamischem Schwung neben den mikrofonbewehrten Sitzplatz, der für den Fraktionsvorsitzenden der neu ins Gemeindeparlament gewählten Partei nun einmal vorgesehen war. Ich saß noch kaum, da stürmten Damen und Herren der anderen Parteien auf mich zu, stellten sich vor, fragten mich aus, plauderten auf mich ein. Ein freundlicher Herr aus der Partei, mit der wir im Vorfeld eine gewisse Zusammenarbeit in diversen Punkten verabredet hatten, forderte lächelnd meine Unterschriften auf diversen Kooperationsvereinbarungen, Anträgen und Listen. „Dies bitte achtmal unterschreiben, dies fünfmal, dies dreimal.“ Der Kopf summte etwas lauter. Was ich hier unterschrieb, stellte die Weichen für fünf Jahre politische Arbeit. Was hier heute Abend abgestimmt und ausgehandelt wurde, ebenfalls.

Eigenlich hatte ich gedacht, ich sei gut vorbereitet auf das, was jetzt käme. Jahrzehntelange Erfahrung in Gremien. Viele Konferenzen. Eine Bundesdelegiertenkonferenz. Aber es war doch alles ganz anders. Denn so ein Parlament muss man einmal als Teilnehmer erlebt haben. Es hat doch auch etwas von einer Arena: Die eine Sorte Mensch (hier im Wesentlichen in Form der Presse) sieht zu, wie die andere sich genussvoll bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegenseitig demontiert. Dies auf eine durchaus charmante und respektvolle Weise – meistens jedenfalls. Aber die Absicht bleibt klar: Man will selbst strahlen, indem man Andere entzaubert und der Lächerlichkeit Preis gibt.

Ich selbst hielt mich bei der ersten Sitzung sehr zurück. Zusehen, beobachten, lernen. Im Gegensatz zu den anderen Kollegen Fraktionsvorsitzenden nutzte ich nicht einen beliebigen Tagesordnungspunkt, um ans Pult zu schreiten und mich der Masse in salbungsvollen Worten vorzustellen und zu präsentieren. Keine bissigen Nachfragen, keine in Wunden gelegten Finger, kein höhnlisches Gelächter. Nur dabei sein und staunen.

Erst einmal.

Tschüs, Buch!

Seit nunmehr 35 Jahren lese ich. Und das tüchtig. Ich will gar nicht wissen, wie viele Seiten ich in dieser Zeit umgeblättert habe. Auf ca. 80% aller Fotos aus Kindheit und Jugend habe ich ein Buch vor der Nase.
Aber damit ist nun weitgehend Schluss. Vermutlich, sage ich einschränkend.
Seit nunmehr einer Woche habe ich mich dem Ebookreader verschrieben. Statt in regelmäßigen Abständen ein neues Buch in die Hand zu nehmen, ist es nun ein Alugehäuse mit Sechszollbildschirm, mit dem ich einen Großteil meiner Freizeit verbringe.
Warum?
Lange habe ich mich gesträubt. Über den Niedergang der guten, alten Buchlesekultur lamentiert.
Bis ein Freund mir seinen Ebookreader lieh. Ja, regelrecht aufnötigte. Ich fand’s ganz nett, war aber nicht begeistert.
Nun, Monate später, habe ich den harten Schnitt vollzogen: Alles, was geht, liest sich von nun an digital.
Ein paar Vorteile im Überblick:
-Nie wieder rausgerutschte Lesezeichen. Der Reader merkt sich die Stelle.
-Keine an vielen Stellen herumliegenden Bücher (meistens lese ich 2-4 gleichzeitig). Alles an einem Ort.
-Markierfunktion für interessante Textstellen: Einmal anklicken, und schon ist die Zitatesammlung um ein Schätzchen reicher. Nie wieder Panikaktionen wie: „Scheiße, wo hat Eco noch diese coole Bemerkung über die Bedeutung menschlicher Körperöffnungen für die christliche Mystik gemacht?“ Nee, SuFu, Begriff eingeben, fertig!
-Textgröße frei veränderbar. Das ist super für abends im Bett, wenn die Augen müde sind. Einfach größer stellen, das Auge dankt es.
-Einhandbedienung möglich! Statt umständlichem Umblättern einfach cool über den Bildschirm wischen oder einmal auf den Knopf klicken.
-Nun kann ich mir endlich diese Über-Kopf-Buchhalteaufhängung fürs Bett bauen, von der ich seit Jahrzehnten träume!!! Für’s Buch ging das nie – umblätterbedingt. Oder vielleicht ein Drahtgestell vor den Kopf? Das wäre doch klasse!
-Wie oft sitze ich in Schulungen oder Sitzungen, in denen eigentlich nur meine körperliche Anwesenheit erforderlich ist. Nicht immer, aber manchmal für längere passagen. Buch rausholen ging da nicht. Aber ein kleines flaches Aluding, dessen Bildschirm dank E-Ink unauffällig unbeleuchtet ist, bemerkt niemand. Ich schwör’s, ist ausgiebig praxiserprobt…
Je mehr ich das Ding benutze, desto weniger vermisse ich das gute, alte Papierbuch.
Natürlich wird es das bei mir auch weiterhin noch geben. Aber ich denke, die Quote wird auf unter 50% sinken.

Aber vielleicht kommt alles ja doch ganz anders.

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